Rheuma und Ernährung


Ball.gif - .327 K Können rheumatische Erkrankungen durch die Ernährung bedingt sein?
Ball.gif - .327 K Wie kann man rheumatische Erkrankungen durch die Ernährung beeinflußen?
Ball.gif - .327 K Kann man durch eine Ernährungsbehandlung Medikamente einsparen?
Ball.gif - .327 K Wie soll man sich bei chronischer Polyarthritis ernähren?

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Können rheumatische Erkrankungen durch die Ernährung bedingt sein?

Von den zahlreichen Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises ist eine Auslösung durch die Ernährung nur für wenige bekannt. Das bekannteste Beispiel dürfte die durch einen erhöhten Harnsäurespiegel bedingte Gichterkrankung sein. Menschen mit Gicht haben oft eine verminderte Fähigkeit, die beim Abbau bestimmter Zellbestandteile, der sogenannten Purine entstehende Harnsäure über die Niere auszuscheiden. Die Folge ist eine Auskristallisierung der Harnsäure unter anderem in der Niere und in Gelenken mit der Folge einer akuten Gelenkentzündung. Da Purine auch mit bestimmten Nahrungsmitteln zugeführt werden (unter anderem Fleisch) kann der akute Gichtanfall durch eine entsprechende Ernährung ausgelöst oder auch verhindert werden.

Im Falle der entzündlichen rheumatischen Gelenkerkrankungen wurde ein solcher ursächlicher Zusammenhang mit Ernährungsfaktoren bisher nicht nachgewiesen. Einzelne Beobachtungen weisen allerdings darauf hin, daß die Ernährung möglicherweise in Einzelfällen Auslöser einer solchen Erkrankung sein mag. Eine allgemeine Regel läßt sich daraus aber nicht ableiten.

Unabhängig davon bleibt die Frage nach möglichen Zusammenhängen rheumatischer Erkrankungen mit der Ernährung für Patienten ebenso wie die behandelnden Ärzte gleichermaßen von großem Interesse. Bei den meisten rheumatischen Erkrankungen liegt die Krankheitsursache auch heute noch im Dunklen, entsprechend kann die Behandlung, so effektiv sie auch sein mag, immer nur lindernden, aber keinen heilenden Charakter haben. In dieser Situation wäre es natürlich sehr reizvoll, mit dem Nachweis eines krankmachenden Faktors in der Ernährung auch die Möglichkeit einer ursächlichen, zumal "natürlichen" Therapie zu haben.

Die Hoffnung auf eine solche, zumal nebenwirkungsfreie Behandlung, sollte aber nicht dazu verleiten, entsprechende Therapiekonzepte ungeprüft und unkritisch zu übernehmen. Hier gilt wie sonst auch: Alles was eine Wunderheilung verspricht, ist mehr als fragwürdig und verdächtig auf Bauernfängerei.

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Wie kann man rheumatische Erkrankungen durch die Ernährung beeinflußen?

Der Effekt bestimmter Ernährungsformen auf den Verlauf rheumatischer Erkrankungen wurde bisher vorwiegend für die chronische Polyarthritis untersucht. Dabei wurden vor allem die folgenden Ernährungsformen untersucht:

Zu den häufigsten Nahrungsmittel-Allergenen in Mitteleuropa gehören Kuhmilch, Hühnerei, Nüsse, Gewürze, Gemüse, Getreide, Fisch und Fleisch sowie Obst. Von praktischer Bedeutung sind dabei Kreuzreaktionen zwischen verschiedenen Obstsorten (z.B. Apfel, Pfirsich, Kirschen) und Baumpollen (z.B. Hasel, Birke, Erle). Das heißt, daß ein Mensch, der an einer Birkenpollenallergie (Heuschnupfen) leidet unter Umständen auf Kernobst mit einer Nahrungsmittelallergie reagiert.

Allergien gegen Nahrungsmittel äußern sich am häufigsten an der Haut (z.B. juckender Hautauschlag), am Magendarm-Trakt (z.B. Durchfall) und an den Atemwegen (z.B. Asthma). Sie können seltener aber auch zu Gelenkbeschwerden führen. Dabei läßt sich aber in der Regel ein zeitlicher Zusammenhang mit der Aufnahme des Nahrungsallergens nachweisen. Außerdem sind diese Gelenkbeschwerden anders als bei der "typischen" chronischen Polyarthritis.

Dennoch hat der bei Nahrungsmitteln beobachtete Zusammenhang in der Vergangenheit wiederholt die Frage aufkommen lassen, ob rheumatische Erkrankungen möglicherweise auch auf einer allergischen Reaktion gegen Nahrungsbestandteile beruhen (z.B. gegen Milcheiweiß oder Lebensmittel-Zusatzstoffe).

Die dazu durchgeführten Untersuchungen haben einen solchen Zusammenhang nicht mit Sicherheit nachweisen können. Es fanden sich allerdings Hinweise darauf, daß es eine Untergruppe von Patienten gibt, bei denen die Krankheitsaktivität möglicherweise durch Allergene aus der Umwelt beeinflußt wird. Eine generelle Empfehlung, z.B. auf Milcheiweiß in der Ernährung zu verzichten, kann man daraus aber nicht herleiten.

Für das Fasten kann als gesichert gelten, daß darunter die Krankheitsaktivität der chronischen Polyarthritis bei vielen Patienten nachläßt. Allerdings ist dieser Effekt nicht von Dauer. Damit stellt sich die Frage, ob dieser positive Effekt des Fastens vielleicht einfach darauf beruht, daß dem Körper die für die Aufrechterhaltung der Krankheitsaktivität nötige Energie entzogen wird. Bedacht werden sollte auch das mögliche Risiko einer Unterernährung oder Fehlernährung.

Günstige Effekte werden auch für vegetarische Ernährung (lacto-vegetarische und veganische Diät) beschrieben. Eine Heilung rheumatischer Erkrankungen ist aber auch dadurch nicht zu erreichen. Nachweisen ließ sich bisher nur eine graduelle Besserung rheumatischer Beschwerden. Letztlich wird deshalb die Entscheidung, ob man sich zu einer solchen Umstellung der Ernährung entschließt, mehr eine Frage persönlicher Einstellungen (Vertrauen auf medikamentöse oder nichtmedikamentöse Therapieverfahren) sein.

Ein möglicher Grund für die Effektivität vegetarischer Ernährung ist ihr relativer Mangel an Arachidonsäure. Arachidonsäure ist der natürliche Vorläufer verschiedener Stoffe, die der Körper im Rahmen von Entzündungen freisetzt, die sogenannten Prostaglandine. Arachidonsäure findet sich vor allem in Nahrungsmitteln tierischer Herkunft. Man konnte zeigen, daß man durch Verzicht auf Arachidon-Säure-haltige Nahrungsmittel dem Körper gezielt diesen Baustoff für die Produktion der Prostaglandine entziehen und dadurch das Ausmaß entzündlicher (Gelenk-)Reaktionen mindern kann.

Auch durch die vermehrte Zufuhr ungesättigter Fette (sogenannte Omega-3-Fettsäuren) läßt sich nachweislich die Produktion der Prostaglandine senken. Solche Fettsäuren sind z.B. in vielen Fischsorten vorhanden, sowie in hochwertigen Pflanzenfetten (z.B. Walnußöl).

Von den dargestellten Möglichkeiten einer Ernährungstherapie der chronischen Polyarthritis ist die letztgenannte Möglichkeit einer Beeinflußung der Prostaglandinsynthese durch Verzicht auf Arachidonsäure-reiche Nahrungsmittel und vermehrte Zufuhr ungesättigter Fettsäuren sicher die attraktivste. Bei konsequenter und langfristiger Anwendung dieser Ernährung lassen sich Schmerzmittel, insbesondere die sogenannten nichtsteroidalen Antirheumatika, welche die Prostaglandinsynthese im Körper hemmen, in ihrer Dosierung einsparen. Eine solche Ernährung ersetzt allerdings nicht eine Basistherapie und ganz sicher keine regelmäßige Bewegungstherapie (Krankengymnastik).

Bei Gelenkentzündungen werden neben Prostaglandinen und anderen Entzündungsstoffen (Mediatoren) in großer Zahl auch sogenannte Sauerstoffradikale freigesetzt. Diese führen zu einer Zerstörung verschiedener Gelenkstrukturen (z.B. Knorpel). Diese Sauerstoffradikale werden im Körper normalerweise durch sogenannte Antioxidantien neutralisiert. Zu diesen Antioxidantien gehören Vitamin E und Vitamin C sowie Selen-Glutathion.

Aufgrund dieser Zusammenhänge wird empfohlen, für eine ausreichende Versorgung des Körpers mit den genannten Vitaminen sowie dem Spurenelement Selen zu sorgen. Dabei besteht bei einer ausgewogenen und gesunden Ernährung üblicherweise keine Notwendigkeit für einen künstlichen Ersatz von Vitamin C und Selen, während ein Vitamin-E nicht in allen Fällen ausreichend zur Verfügung gestellt wird. Aus diesem Grunde kann es manchmal sinnvoll sein, Vitamin E in Form von Tabletten zusätzlich zuzuführen. Auch hier handelt es sich um eine komplementäre Therapie, die die "übliche" Rheuma-Behandlung nicht ersetzt, sondern sinnvoll ergänzt.

Vitamin D und Calcium sind weniger für die Behandlung rheumatischer Gelenkentzündungen an sich von Bedeutung. Eine ausreichende Zufuhr dieser Nahrungsbestandteile ist aber wichtig zur Vorbeugung einer Osteoporose, wie sie im Gefolge rheumatischer Gelenkerkrankungen häufiger auftreten kann, insbesondere dann, wenn eine Dauerbehandlung mit Cortison erforderlich ist. Empfohlen wird eine tägliche Zufuhr von Calcium in einer Menge von 1000 - 1500 mg. In 1/2 l Milch befinden sich ca. 500 mg Calcium. Vitamin D wird nicht nur mit der Nahrung aufgenommen, sondern bei Sonnenbestrahlung auch aus körpereigenen Vorstufen gebildet. Besteht ein erhöhtes Osteoporose-Risiko oder ein Mangel an Sonnenbestrahlung (z.B. bei pflegebedürftigen Menschen), dann ist eine zusätzliche Zufuhr von Vitamin D zur Nahrung sinnvoll.

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Kann man durch eine Ernährungsbehandlung Medikamente einsparen?

Eine Heilung rheumatischer Erkrankungen durch eine Umstellung der Ernährung ist in der Regel nicht möglich. Aber man kann in bestimmten Fällen durch eine Umstellung der Ernährung die Schmerzen bei rheumatischen Erkrankungen beeinflußen. Wie oben dargestellt, ist dies für die chronische Polyarthritis zum Teil belegt.

Wenn es gelingt, durch eine Ernährungsumstellung die Schmerzen bei rheumatischen Erkrankungen zu bessern, dann kann man natürlich die Schmerzmittel reduzieren. Diese sollten sowieso in ihrer Dosierung an den Bedarf angepaßt sein. Davon zu unterscheiden sind die sogenannten Basistherapeutika (z.B. Gold, Methotrexat). Diese können die Häufigkeit und Stärke rheumatischer Schübe deutlich reduzieren wenn nicht sogar verhindern. In ihrer Effektivität können sie durch keine Art der Ernährung ersetzt werden.

Eine Ernährungsumstellung macht auch die regelmäßige Bewegungstherapie nicht verzichtbar. Sie ist eine wichtige Voraussetzung, um die Funktion und Beweglichkeit der Gelenke zu erhalten und kann darin durch keine andere Behandlungsmethode ersetzt werden.

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Wie soll man sich bei chronischer Polyarthritis ernähren?

Sinnvolle Ansätze zu einer Ernährungsbehandlung als komplementäre Therapie entzündlich rheumatischer Gelenkerkrankungen sind der Verzicht auf (tierische) arachidonsäurehaltige Nahrungsmittel, die Zufuhr ungesättigter Fettsäuren (Omega-3-Fettsäuren) sowie eine ausreichende Versorgung mit Antioxidantien (Vitamin E und C, Selen) und Vitamin D (Calcium).

Ernährungsregeln bei Rheuma:

  1. Wenig Fleisch, z.B. nur noch 2 mal pro Woche (dies enthält viel Arachidonsäure)
  2. Viel Fisch, mindestens 2 mal pro Woche (hoher Anteil an Omega-3-Fettsäuren)
  3. Vorzugsweise Gemüse, Sojagerichte, Obst und Milchprodukte (enthalten wenig Arachidonsäure und sorgen für ausreichende Zufuhr von Vitaminen, Calcium und Spurenelementen: Vitamin C, E, und Selen)
  4. Verwendung hochwertiger Pflanzenöle wie Walnußöl, Weizenkeimöl, Rapsöl, Sojaöl (diese enthalten keine Arachidonsäure und haben eine hohen Anteil an Omega-3-Fettsäuren und Vitamin E)
  5. 1/2 l Milch pro Tag oder entsprechende Milchprodukte (ausreichende Calcium-Zufuhr)
  6. Wenig Alkohol (Alkohol fördert die Bildung von Oxidantien)
  7. Ausreichende Bewegung an frischer Luft (dadurch wird der Knochenanbau und die Bildung von Vitamin D im Körper gefördert)
  8. Eventuell zusätzliche Gabe von Vitamin E (400 I.E. Alpha-Tocopherol täglich)
Bitte beachten Sie:
Die Erkenntnisse der Medizin unterliegen einem ständigen Wandel durch Forschung und klinische Erfahrung. Bei der Erstellung dieser Information wurde große Sorgfalt darauf verwendet, dass die gemachten Aussagen dem derzeitigen Wissensstand entsprechen. Sie sollen das Verständnis für rheumatische Erkrankungen erleichtern, können eine Aufklärung durch den Arzt aber nicht ersetzen.

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