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Der genaue Wirkungsmechanismus von Sulfasalazin ist wie bei vielen weiteren Basistherapeutika nicht genau bekannt. Wahrscheinlich ist, dass es in verschiedener Weise krankhafte Abwehrreaktionen des Immunsystems beeinflusst. Sicher ist dagegen aufgrund verschiedenen Untersuchungen, dass dieser Wirkstoff einen günstigen Einfluss auf die entzündlichen Gelenkschwellungen bei Polyarthritis hat. Dabei zeigte sich zudem, dass es unter der Behandlung mit Sulfasalazin tendenziell zu weniger entzündlich bedingten Gelenkschäden kommt.
Sulfasalazine hat wie andere Basismedikamente einen verzögerten Wirkungseintritt nach 8 – 12 Wochen. Ein Wirkungsmaximum wird oft erst mach 6 – 12 Monaten erreicht. Das Medikament wirkt nur solange, wie es eingenommen wird, d.h. bei Absetzen droht ein erneuter Krankheitsschub.
Sulfasalazin gilt heute als Mittel der ersten Wahl zur Basistherapie milder Verlaufsformen der chronischen Polyarthritis. Wie andere Basismedikamente wird es in erster Linie nicht als Schmerzmittel eingesetzt, sondern als ein Medikament, dass die rheumatische Entzündung (Gelenkschwellungen und –schmerzen) unterdrücken und dadurch einer krankheitsbedingten Einschränkung der Gelenkbeweglichkeit sowie Gelenkzerstörung entgegen wirken soll.
Sulfasalazin wird nicht nur bei den verschiedenen Formen der chronischen Polyarthritis, sondern auch bei den Formen des entzündlichen Wirbelsäulenrheumatismus (M. Bechterew) eingesetzt, die mit einer Entzündung weiterer Gelenke (z.B. Knie- und Hüftgelenke) einhergehen.
Das Medikament wird bei ausgeprägteren Krankheitsverläufen auch in Kombination mit anderen Basismedikamenten, z.B. Methotrexat und Chloroquin/Hydroxychloroquin verordnet.
Sulfasalazin gibt es als Tabletten. Die Dosis wird langsam erhöht, um die Verträglichkeit zu verbessern. Man beginnt mit einer Tablette morgens, steigert nach einer Woche auf eine Tablette morgens und abends und fügt dann jede Woche jeweils eine Tablette hinzu, bis man morgens und abends je 2 Tabletten einnimmt. Die Dosis kann im Einzelfall bis auf 3 x 2 Tabletten täglich erhöht werden. Falls ein schnellerer Wirkungseintritt gewünscht ist, kann man die Behandlung auch gleich mit 2 x 2 Tabletten beginnen.
Bei eingeschränkter Leber- oder Nierenfunktion wird die Dosis unter Umständen geringer gewählt werden.
Die Therapie erfolgt als Langzeit-Therapie, d.h. über Monate, manchmal auch über Jahre. Die Notwendigkeit und Wirksamkeit der Therapie sollte dabei immer wieder auch durch einen rheumatologisch erfahrenen Arzt überprüft und die Behandlung dementsprechend angepasst werden (z.B. Änderung der Dosis, Umstieg auf anderer Medikamente oder Kombination mit anderen Medikamenten).
Der Behandlungserfolg äußert sich in einem Rückgang der Zahl schmerzhafter und geschwollener Gelenke, insgesamt auch in einem Rückgang der Gelenkschwellungen und auch der Morgensteifigkeit von Gelenken.
Falls dieser Erfolg nach spätestens 6 Monaten nicht eintritt, muss durch den Arzt geprüft werden, ob eine andere Behandlung erforderlich ist.
Wie andere Medikamente auch kann es auch unter der Therapie mit Sulfasalazine zum Auftreten von Nebenwirkungen kommen. Grundlage der Entscheidung für eine solche Behandlung sollte daher immer auch eine sorgfältige Abwägung des erwarteten Nutzens (Besserung der rheumatischen Erkrankung) und möglicher Risiken sein.
Die Aufklärung über mögliche Nebenwirkungen dient in diesem Zusammenhang auch einer größeren Behandlungssicherheit. Ein Patient, der mögliche Nebenwirkungen kennt, wird solche eher wahrnehmen und seinen Arzt frühzeitig darauf aufmerksam machen können. Manche Nebenwirkungen lassen sich allerdings nur durch bestimmte Laboruntersuchungen nachweisen.
Unter Sulfasalazine können u.a. folgende Nebenwirkungen auftreten (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):
| Organ | Häufige Nebenwirkungen | Seltene Nebenwirkungen |
| Haut/Schleimhaut | Hautausschläge Hautjucken |
ausgeprägter Hautauschlag mit Blasenbildung Hautausschlag unter Sonneneinwirkung |
| Verdauungstrakt | Übelkeit Bauchschmerzen Appetitlosigkeit |
Gallenstau (Gelbsucht) Leberentzündung Anstieg von Leberwerten |
| Blut | Leichte Blutbildveränderungen | Blutbildveränderungen mit Verminderung weißer Blutkörperchen (Agranulozyose) Blutarmut (Anämie) Mangel an Blutplättchen mit Blutungsgefahr (Thrombopenie) |
| Lunge | "Allergische" Lungenentzündung (Pneumonitis) mit Fieber, trockenem Husten und Auswurf | |
| Harn- und Geschlechtsorgane | Verminderung der Spermienzahl mit Störung der Zeugungsfähigkeit (nach Absetzen wieder normalisiert) | Nierengewebsentzündung mit Nachweis von Eiweiß/Blut im Urin |
| Nervensystem/Psyche | Kopfschmerzen Schwächegefühl, Müdigkeit |
Nervenentzündung (Polyneuropathie)mit Gefühlsstörungen (z.B. Ameisenlaufen der Beine) Schlafstörungen Tinnitus (Ohrensausen) Schwindel, Depressionen, Psychosen |
| Sonstiges | Gelenkschmerzen allergisch bedingte Gesichts- und Zungenschwellung (Quincke-Ödem) Fieber |
Insgesamt
ist die Nebenwirkungshäufigkeit gering und das Medikament in der
Regel gut verträglich. Zu bedenken ist immer auch, dass die
beschriebenen Nebenwirkungen ihre Ursache auch in anderen Gründen
haben können, z.B. auch Folge anderer Medikamente oder
Begleiterscheinungen Ihrer Erkrankung sein können. Wenn Sie
Nebenwirkungen vermuten, sollten Sie dies daher mit Ihrem Arzt
besprechen. Dies betrifft insbesondere die Entscheidung, ob die Behandlung weitergeführt oder abgebrochen werden soll.
Bei einer über Wochen und Monate, manchmal Jahre laufenden Behandlung mit Medikamenten ist es besonders wichtig, nicht nur die Wirksamkeit zu überprüfen, sondern gezielt auf mögliche Nebenwirkungen zu achten. Um diese frühzeitig zu erkennen und damit bleibenden Schäden vorzubeugen, werden regelmäßige Kontrolluntersuchungen empfohlen. Diese beinhalten sowohl eine Untersuchung des Patienten als auch regelmäßige Laborkontrollen:
| Überwachungsprogramm während der Therapie:
In den ersten drei Monaten alle 14 Tage, vom 4. bis 6. Monat alle 4 Wochen, danach alle 3 Monate |
| Befragung und körperliche Untersuchung: | Hautausschlag, Beschwerden des Verdauungstraktes, Beschwerden von Nerven und Psyche |
| Laborbestimmungen: | Blutbild einschl. Thrombozyten und Diff.-Blutbild. Alkalische Phosphatase, GPT, Kreatinin, Urinstatus |
Die aktuellen Empfehlungen können unter http://www.rheumanet.org heruntergeladen werden. Diese Empfehlungen sind nicht bindend. Im Einzelfall können insbesondere die genannten Untersuchungsintervalle davon abweichen.
Während der Behandlung mit Sulfasalazine sollten Frauen nicht schwanger werden. Im Einzelfall kann die Behandlung während Schwangerschaft und Stillzeit fortgesetzt werden. Darüber entscheidet Ihr Arzt.
Durch das Medikament kommt es bei Männern häufig zu einer verminderten Spermienzahl, sodass die Zeugungsfähigkeit eingeschränkt sein kann. Nach Absetzen des Medikamentes kommt es normalerweise innerhalb von 2 – 3 Monaten zu einer Normalisierung. Das Sexualempfinden wird durch das Medikament nicht beeinträchtigt.
Vermeiden Sie intensive Sonneneinstrahlung, da es unter der Behandlung mit Sulfasalazine unter Sonneneinstrahlung zum Auftreten von Hautausschlägen kommen kann.
Patienten mit einer bekannten Überempfindlichkeit gegen Sulfonamide oder Salicylate dürfen das Medikament nicht einnehmen, ebenso Menschen mit einer akuten intermittierenden Porphyrie.
Bei Fragen oder Unklarheiten sollten Sie Ihren Arzt kontaktieren. Auch diese Information kann bei allem Bemühen um Vollständigkeit nicht alle möglichen Nebenwirkungen und Aspekte der Behandlung berücksichtigen.
| Die Erkenntnisse der Medizin unterliegen einem ständigen Wandel durch Forschung und klinische Erfahrung. Bei der Erstellung dieser Information wurde große Sorgfalt darauf verwendet, dass die gemachten Aussagen dem derzeitigen Wissensstand entsprechen. Sie können eine Aufklärung durch den Arzt aber nicht ersetzen, ebenso wenig sind sie als Ersatz für die Medikamenten beiliegende Informationen (Beipackzettel) gedacht. |