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Die genaue Ursache dieser Erkrankungen ist meist nicht bekannt. Eine ursächliche Therapie im Sinne einer Heilung ist damit nach heutiger Kenntnis nicht möglich. Man kann aber (zusätzlich zu einer Schmerztherapie) sehr wohl durch Medikamente den zugrundeliegenden Entzündungsprozeß bekämpfen. Dadurch wird bleibenden Schäden entgegengewirkt und somit der Verlauf der Erkrankung günstig beeinflusst. Man nennt diese Medikamente, zu denen auch Methotrexat gezählt wird, Basismedikamente oder krankheitsmodifizierende Medikamente (Disease Modifying AntiRheumatic Drugs - DMARD).
Die Entscheidung für eine Behandlung mit einem Basismedikament wie Methotrexat beruht auf einer Abwägung möglicher Risiken einer Behandlung oder Nichtbehandlung. Es steht das Risiko der Krankheit (bleibende oder zunehmende Gelenk- bzw. Organschäden) gegen das Risiko der Behandlung (Nebenwirkungen). Verständlicherweise fürchtet man als betroffener Patient mögliche Medikamenten-Nebenwirkungen. Man sollte dies für sich selber aber auch immer gegen die möglichen Risiken einer unzureichend behandelten rheumatischen Erkrankung abwägen.
Neben Methotrexat gibt es auch noch andere Basismedikamente. Methotrexat gilt dabei als ein recht stark wirksames Basismedikament. Ihr Arzt hat bei der Auswahl von Methotrexat verschiedene Gesichtspunkte berücksichtigt, z.B. Stärke und Ausmaß der rheumatischen Entzündung, genaue Diagnose, Begleiterkrankungen usw. Häufig ist Methotrexat auch deshalb ein Mittel der ersten Wahl, weil es ein relativ günstiges Wirkungs/Nebenwirkungs-Verhältnis hat.
Bevor Methotrexat für die Behandlung rheumatischer Erkrankungen entdeckt wurde, kannte man dieses Medikament schon als ein Mittel zur Behandlung bestimmter bösartiger Erkrankungen (Tumoren). Auch heute wird Methotrexat dazu benutzt. Es wirkt dabei so, dass es den Stoffwechsel bösartig entarteter Zellen so stört, dass diese in ihrem Wachstum gehemmt werden oder sogar zerstört werden. Methotrexat wird bei diesen Behandlungen in Mengen von bis 10000 mg täglich gegeben.
Zur Behandlung rheumatischer Erkrankungen wird Methotrexat seit den 70 er Jahren des letzten Jahrhunderts regelmäßig eingesetzt. Das Medikament wird dabei in deutlich geringeren Mengen und in geringerer Häufigkeit als bei der Tumorbehandlung gegeben, nämlich 5-25 mg pro Woche. In dieser Dosierung hat das Medikament in erster Linie eine nur eine entzündungshemmende Wirkung. Es erfolgt also keine "Chemotherapie" wie bei Tumoren. Dementsprechend ist die Therapie rheumatischer Entzündungen mit Methotrexat anders, als man zunächst vermuten mag, keine besonders gefährliche oder risikoreiche Behandlung.
Die entzündungshemmende Wirkung von Methotrexat wurde ursprünglich mehr oder weniger zufällig entdeckt. Dabei wurde bis heute nicht eindeutig geklärt, über welche Mechanismen Methotrexat seine entzündungshemmende Wirkung entfaltet. Man hat aber in mehreren wissenschaftlichen Untersuchungen nachgewiesen, dass das Medikament bei ca. 60 - 80% der behandelten Patienten mit Polyarthritis zu einem Rückgang der entzündlichen Gelenkveränderungen (Gelenkschmerz, Gelenkschwellung und Gelenksteifigkeit) führt. Aufgrund dieser Forschungsergebnisse ist es auch sehr wahrscheinlich, dass durch die Behandlung mit Methotrexat krankheitsbedingten Gelenkschäden und bei bestimmten rheumatischen Erkrankungen auch Organschäden vorgebeugt wird.
Methotrexat wird einmal pro Woche in die Venen (intravenös) oder in die Gesäßmuskulatur (intramuskulär) gespritzt. Das Medikament kann alternativ auch in Form von Tabletten eingenommen werden. Der theoretische Vorteil von Spritzen ist, dass dadurch eine vollständige Aufnahme des Medikamentes gewährt ist. Tabletten werden dagegen manchmal nur unvollständig aufgenommen.
Typisch für die Behandlung mit Basismedikamenten wie Methotrexat ist, dass diese erst mit einer Verzögerung von 4-6 Wochen, manchmal bis zu 3 Monaten, ihre Wirkung entfalten. Man kann also nicht gleich nach der ersten Gabe von Methotrexat eine sofortige Besserung erwarten. Wenn dies nötig ist, kann man die Zeit bis zum Wirkungseintritt durch die Einnahme von Cortison überbrücken. Cortison wirkt ebenfalls entzündungshemmend, seine Wirkung setzt praktisch sofort ein. Wegen möglicher Nebenwirkungen von Cortison (z.B. Osteoporose, Gewichtszunahme) ist man dabei allerdings bemüht, die Dauer der Cortisontherapie sowie die Dosierung so kurz wie möglich zu halten.
Wenn unter der Behandlung eine Besserung der rheumatischen Entzündung (z.B. Rückgang von Gelenkschmerz und -schwellung) erreicht wurde, dann muss die Behandlung zunächst einmal fortgeführt werden. Ein Absetzen führt sonst leicht zu einem erneuten Krankheitsschub. Manchmal ist eine Fortführung der Therapie über Jahre notwendig.
Die Therapie mit Methotrexat soll in ihrer Wirkung und wegen möglicher Nebenwirkungen regelmäßig durch den Arzt, möglichst auch durch einen Rheumatologen überwacht werden. Kann die Behandlung wegen Nebenwirkungen (z.B. Übelkeit) nicht fortgeführt werden oder erweist sie sich als nicht ausreichend, dann muss unter Umständen auf ein anderes entzündungshemmendes Medikament (Basismedikament) umgestellt werden.
Methotrexat kann in ausgewählten Fällen auch mit anderen Basismedikamenten kombiniert werden (z.B. Sulfasalazin, Chloroquin, Leflunomid). Durch solche Kombinationen soll eine stärkere Entzündungshemmung erreicht werden bei gleichzeitig vertretbar geringer Nebenwirkungsrate (Würde man dazu die Dosierung eines Basismedikamentes weiter erhöhen, wäre mit einem deutlich häufigeren Auftreten von Nebenwirkungen zu rechnen).
Mit Methotrexat liegen nicht nur lange Erfahrungen über die Wirksamkeit, sondern auch über mögliche Nebenwirkungen vor. Aufgrund der über lange Jahre vorliegenden Erfahrungen mit dem Medikament kann man daher mit grosser Sicherheit nicht nur Aussagen über kurzfristige Nebenwirkungen, sondern auch über mögliche Folgen einer über Jahre dauernden Therapie machen.
Aufgrund dieser Erfahrungen lässt sich heute feststellen, dass Methotrexat bei korrekter Anwendung und Einhaltung bestimmter Vorsichtsmaßnahmen durchaus auch über Jahre eingenommen werden kann, ohne dass man bleibende Organschäden befürchten muss.
Der Beipackzettel des Medikamentes listet zahlreiche mögliche Nebenwirkungen auf. Für den Betroffenen ist es wichtig, dabei zwischen häufigen und seltenen sowie zwischen schwerwiegenden und harmloseren Nebenwirkungen zu unterscheiden. Um die Orientierung zu erleichtern, enthält die folgende Aufstellung nur die wichtigsten Nebenwirkungen. Ein Anspruch auf Vollständigkeit wird dabei nicht erhoben.
| Organ | Häufige Nebenwirkungen | Seltene Nebenwirkungen |
| Haut/Schleimhaut | Mundschleimhautentzündung (Stomatitis) vermehrter Haarausfall |
Hautauschlag (Exanthem) vermehrte Lichtempfindlichkeit der Haut (Photosensibilität) |
| Verdauungstrakt | Übelkeit Erbrechen Anstieg von Leberwerten |
Leberzirrhose (meist in Verbindung mit Alkohol oder anderen die Leber schädigenden Einflüssen) Verzögerte Abheilung von Magen-/Zwölffingerdarmgeschwüren |
| Blut | Verringerung der Zahl von weißen (Leukopenie) und/oder roten Blutkörperchen (Anämie). Abnahme der Zahl der Blutplättchen (Thrombopenie) und dadurch vermehrte Blutungsneigung | |
| Lunge | "Allergische" Lungenentzündung (Pneumonitis) mit Fieber, trockenem Husten und Auswurf | |
| Harn- und Geschlechtsorgane | Wegen Mißbildungsgefahr keine Schwangerschaft unter Methotrexat ! Empfängnisverhütung unter Methotrexat auch durch Männer |
Nierenfunktionsstörung Verminderung der Zahl von Spermien |
| Sonstiges | vermehrte Infektanfälligkeit | Fieber, Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen, Depression, Rheumaknoten |
Verschiedene Gründe können gegen eine Therapie mit Methotrexat sprechen (Kontraindikationen), z.B. Allergie gegen Methotrexat, Schwangerschaft oder aktueller Kinderwunsch, unzureichende Empfängnisverhütung, Lebererkrankung, Geschwüre von Magen/Zwölffingerdarm, Alkoholmißbrauch, verminderte Blutbildung, schwerer Diabetes mellitus, schwere Allgemeinerkrankung, Unzuverlässigkeit des Patienten. Die Entscheidung darüber trifft der behandelnde Arzt.
Die Wirkung von Methotrexat kann durch andere Medikamente abgeschwächt oder verstärkt sein. Vor der Verordnung von Methotrexat sollte deshalb bekannt sein, welche Medikamente sonst eingenommen werden.
Übelkeit, Schwindel und Kopfschmerzen sind relativ häufige Nebenwirkungen einer Therapie mit Methotrexat. Dabei wird die Übelkeit meist nicht durch einen Angriff am Magen, sondern durch eine direkte Wirkung des Medikamentes im Gehirn ausgelöst. Wenn die genannten Nebenwirkungen auftreten, sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber. Manchmal kann man eine Besserung bereits dadurch erreichen, dass man das Medikament abends vor dem Schlafen einnimmt. Am nächsten Morgen sind die genannten Beschwerden unter Umständen wieder verschwunden. Häufig wird auch empfohlen an den Tagen nach der Methotrexat-Einnahme das Vitamin Folsäure (oder Folinsäure) einzunehmen.
Achten Sie selber auf Haut- und Schleimhautveränderungen unter der Behandlung mit Methotrexat und informieren Sie Ihren Arzt darüber. Entzündungen der Mundschleimhäute oder der Mundwinkel (Faulecken) können manchmal auch andere Ursachen haben, z.B. Eisenmangel oder Zink-Mangel. Dies gilt auch für vermehrten Haarausfall. Im Zweifel sollten diese Ursachen ausgeschlossen werden.
Störungen der Blutbildung durch Methotrexat, eine Schädigung der Leber oder eine Nierenfunktionsstörung machen sich für die Betroffenen meist erst bemerkbar, wenn Sie sehr ausgeprägt sind. So kann eine Verminderung der Blutplättchen (Thrombopenie) zu einer vermehrten Blutungsneigung (z.B. häufiges Auftreten blauer Flecken, verzögerte Blutgerinnung) führen, ein Blutmangel (Anämie) zu Müdigkeit führen oder eine Mangel weißer Blutkörperchen Ursache von Fieber sein. Man untersucht unter der Therapie mit Methotrexat deshalb regelmäßig die entsprechenden Blutwerte (Blutbild, Leberwerte, Nierenwerte) und den Urin. So können Störungen dieser Organe in der Regel bereits sehr früh erfasst werden, bevor sie zu Krankheitssymptomen führen. Insbesondere kann man dadurch bleibenden Schäden vorbeugen.
Eine bleibende Leberschädigung (Leberzirrhose) ist unter Methotrexat sehr selten. Das Risiko steigt allerdings, wenn bereits eine andere Lebererkrankung (z.B. chronische Leberentzündung) vorliegt oder bei regelmäßigem Alkoholkonsum. Alkohol sollte deshalb unter der Behandlung mit Methotrexat möglichst gemieden werden.
Methotrexat wirkt immunsupprimierend, d.h. es hat eine das Abwehrsystem des Körpers schwächende Wirkung. Deshalb kann es unter der Behandlung unter Umständen vermehrt zum Auftreten von Infektionen kommen (z.B. Bronchitis, Nierenbeckenentzündung). Bei fieberhaften Infekten kann es deshalb notwendig sein, das Medikament vorübergehend abzusetzen. Nehmen Sie in diesen Fällen Kontakt zu Ihrem Arzt/Ärztin auf.
Fieber, Luftnot und Husten unter Methotrexat-Therapie können Ausdruck der sehr seltenen, aber schwerwiegenden Nebenwirkung einer "allergischen " Entzündung der Lunge (Pneumonitis, Alveolitis) sein. Diese Erkrankung bedarf einer besonderen Diagnostik und Therapie. Ausserdem muss in diesen Fällen die Methotrexat-Therapie abgebrochen werden. Falls die genannten Beschwerden bei Ihnen auftreten, sollten Sie deshalb unverzüglich Kontakt mit Ihrem behandelnden Arzt/Rheumatologen aufnehmen.
Wegen möglicher Mißbildungen oder Fehlgeburten unter der Behandlung mit Methotrexat sollte eine sichere Verhütungsmethode angewendet werden. Dies gilt nicht nur für Frauen, die schwanger werden wollen, sondern auch für Männer mit Kinderwunsch. Falls eine Schwangerschaft geplant ist, muss die Therapie in einem ausreichenden Abstand zur Empfängnis beendet werden (mindestens 6 Monate). Sie sollten dies mit Ihrer/em behandelnden Rheumatologen/in absprechen.
Nach früherer MTX-Therapie sollte beim Eintreten der Schwangerschaft auf eine ausreichende Folsäureeinnahme geachtet werden. Weisen Sie Ihren Frauenarzt/ärztin auf die frühere Methotrexat-Einnahme hin.
Eine Impfung mit sogenannten Lebendimpfstoffen sollte während der Therapie mit Methotrexat nicht erfolgen. Alkohol sollte vermieden werden.
Wenn Sie unter der Behandlung mit Methotrexat neue Beschwerden verspüren und sich nicht sicher sind, ob dies Nebenwirkungen der Therapie sind, besprechen Sie dies bitte mit Ihrem Arzt.
Vor einer Operation ist eine Therapieunterbrechung nicht zwingend erforderlich, nehmen Sie in diesen Fällen Kontakt mit dem behandelnden Arzt/Rheumatologen auf.
Nach Absetzen von Methotrexat kann ein Krankheitsschub auftreten.
Um Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen und möglichen Schäden vorzubeugen, wird unter der Behandlung mit Methotrexat zu regelmäßigen Kontrollen geraten.
Von der AG Regionale Rheumazentren in der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie wurden folgende Empfehlungen gegeben:
| Überwachungsprogramm während der Therapie:
In den ersten vier Wochen wöchentlich, im zweiten und dritten Monat alle 14 Tage, danach alle 4 Wochen |
| Befragung und körperliche Untersuchung: | Hautauschlag, Mundschleimhautentzündung, Beschwerden wie Übelkeit, Fieber, Luftnot, Husten, Blutungen |
| Laborbestimmungen: | großes Blutbild, Leberwerte, Nierenwerte |
Die aktuellen Empfehlungen können unter http://www.rheumanet.org heruntergeladen werden. Diese Empfehlungen sind nicht bindend. Im Einzelfall können insbesondere die genannten Untersuchungsintervalle davon abweichen.
| Die Erkenntnisse der Medizin unterliegen einem ständigen Wandel durch Forschung und klinische Erfahrung. Bei der Erstellung dieser Information wurde große Sorgfalt darauf verwendet, dass die gemachten Aussagen dem derzeitigen Wissensstand entsprechen. Sie können eine Aufklärung durch den Arzt aber nicht ersetzen, ebenso wenig sind sie als Ersatz für die Medikamenten beiliegende Informationen (Beipackzettel) gedacht. |