Ciclosporin


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Warum verordnet Ihr Arzt Ciclosporin ?

Ciclosporin (Handelsnamen z.B. Immunosporin®, Cicloral®, Sandimmun®) wurde als Medikament ursprünglich zur Behandlung von Patienten mit Organtransplantaten entwickelt. Das Medikament verhindert die durch das Immunsystem vermittelte Abstoßung transplantierter Organe. Darüber hinaus hat es inzwischen aber auch einen festen Platz in der Behandlung von rheumatischen Gelenkentzündungen (chronischen Polyarthritis), bei Schuppenflechte (Psoriasis) und Schuppenflechtenrheuma (Psoriasisarthritis).

Die genaue Ursache dieser Erkrankungen ist meist nicht bekannt. Eine ursächliche Therapie im Sinne einer Heilung ist damit nach heutiger Kenntnis nicht möglich. Man kann durch ein Medikament wie Ciclosporin bei rheumatischen Gelenkentzündungen aber (zusätzlich zu einer Schmerztherapie) sehr wohl den zugrundeliegenden Entzündungsprozess bekämpfen. Dadurch wird bleibenden Gelenkschäden entgegengewirkt und somit der Verlauf der Erkrankung günstig beeinflusst. Man zählt Ciclosporin daher zu einer Gruppe von Medikamenten, die in der Rheuma-Therapie als Basismedikamente oder krankheitsmodifizierende Medikamente (Disease Modifying AntiRheumatic Drugs - DMARD) bezeichnet werden.

Die Entscheidung für eine Behandlung mit einem Basismedikament wie Ciclosporin beruht auf einer Abwägung möglicher Risiken einer Behandlung oder Nichtbehandlung. Es steht das Risiko der Krankheit (bleibende oder zunehmende Gelenk- bzw. Organschäden) gegen das Risiko der Behandlung (Nebenwirkungen). Verständlicherweise fürchtet man als betroffener Patient mögliche Medikamenten-Nebenwirkungen. Man sollte dies für sich selber aber auch immer gegen die möglichen Risiken einer unzureichend behandelten rheumatischen Erkrankung abwägen.

Neben Ciclosporin gibt es auch noch andere Basismedikamente. Ciclosporin gilt als ein recht stark wirksames Basismedikament. Häufig wird es erst eingesetzt, wenn andere Basismedikamente versagt haben. Ihr Arzt hat bei der Auswahl von Ciclosporin verschiedene Gesichtspunkte berücksichtigt, z.B. Stärke und Ausmaß der rheumatischen Entzündung, genaue Diagnose, Begleiterkrankungen usw.

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Wie wirkt Ciclosporin ?

Rheumatische Entzündungen werden wie andere Entzündungen im Körper unter anderem durch Zellen des Immunsystems vermittelt, die zu den weißen Blutkörperchen gezählt werden. Eine Schlüsselrolle kommt dabei den sogenannten T-Zellen, einer Unterform der aus den Lymphknoten stammenden Lymphozyten zu. Ciclosporin verhindert die Aktivierung dieser Zellen im Rahmen rheumatischer Entzündungen und wirkt damit auf den rheumatischen Entzündungsprozess insgesamt hemmend. Damit beugt es auch einer entzündungsbedingten Gelenkzerstörung entgegen. Aktivierte T-Zellen sind auch wichtige Voraussetzung für die Ausprägung einer Schuppenflechte. Daher wirkt Ciclosporin auch gegen diese Erkrankung.

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Wie wird die Therapie durchgeführt

Ciclosporin wird in Form von Tabletten eingenommen. Man beginnt meistens mit einer geringen Dosis, die bei guter Verträglichkeit je nach Wirkung des Medikamentes im weiteren noch gesteigert werden kann.

Typisch für die Behandlung mit Basismedikamenten wie Ciclosporin ist, dass diese erst mit einer Verzögerung von 4-6 Wochen, manchmal bis zu 3 Monaten, ihre Wirkung entfalten. Man kann also nicht gleich nach der ersten Gabe von Ciclosporin eine sofortige Besserung erwarten. Wenn dies nötig ist, kann man die Zeit bis zum Wirkungseintritt durch die Einnahme von Cortison überbrücken. Cortison wirkt ebenfalls entzündungshemmend, seine Wirkung setzt praktisch sofort ein. Wegen möglicher Nebenwirkungen von Cortison (z.B. Osteoporose, Gewichtszunahme) ist man dabei allerdings bemüht, die Dauer der Cortisontherapie sowie die Dosierung so kurz wie möglich zu halten.

Wenn unter der Behandlung eine Besserung der rheumatischen Entzündung (z.B. Rückgang von Gelenkschmerz und -schwellung) erreicht wurde, dann muss die Behandlung zunächst einmal fortgeführt werden. Ein Absetzen führt sonst leicht zu einem erneuten Krankheitsschub. Manchmal ist eine Fortführung der Therapie über Jahre notwendig.

Die Therapie mit Ciclosporin soll in ihrer Wirkung und wegen möglicher Nebenwirkungen regelmäßig durch den Arzt, möglichst auch durch einen Rheumatologen überwacht werden. Kann die Behandlung wegen Nebenwirkungen (z.B. Übelkeit) nicht fortgeführt werden oder erweist sie sich als nicht ausreichend, dann muss unter Umständen auf ein anderes entzündungshemmendes Medikament (Basismedikament) umgestellt werden.

Ciclosporin kann in ausgewählten Fällen auch mit anderen Basismedikamenten (z.B. Methotrexat) kombiniert. Durch solche Kombinationen soll eine stärkere Entzündungshemmung erreicht werden bei gleichzeitig vertretbar geringer Nebenwirkungsrate (Würde man dazu die Dosierung eines Basismedikamentes weiter erhöhen, wäre mit einem deutlich häufigeren Auftreten von Nebenwirkungen zu rechnen).

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Mit welchen Nebenwirkungen ist zu rechnen ?

Wie bei anderen Medikamenten können auch unter Ciclosporin Nebenwirkungen auftreten. Die Kenntnis möglicher Nebenwirkungen hilft, diese früh zu erkennen und somit bleibenden Schäden vorzubeugen.

Bei korrekter Anwendung des Medikamentes und Einhaltung bestimmter Vorsichtsmaßnahmen kann Ciclosporin durchaus auch über Jahre eingenommen werden kann, ohne dass man bleibende Organschäden befürchten muss.

Nebenwirkungen

Der Beipackzettel des Medikamentes listet zahlreiche mögliche Nebenwirkungen auf. Für den Betroffenen ist es wichtig, dabei zwischen häufigen und seltenen sowie zwischen schwerwiegenden und harmloseren Nebenwirkungen zu unterscheiden. Um die Orientierung zu erleichtern, enthält die folgende Aufstellung nur die wichtigsten Nebenwirkungen. Ein Anspruch auf Vollständigkeit wird dabei nicht erhoben.

Organ Häufige Nebenwirkungen Seltene Nebenwirkungen
Haut/Schleimhaut Vermehrte Hautbehaarung (Hypertrichose)
Verdickung des Zahnfleisches (Gingivahyperplasie)
Hautauschlag (Exanthem)
Verdauungstrakt Übelkeit, Appetitlosigkeit, Erbrechen
Durchfall
Anstieg von Leberwerten
Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis)
Blut
Verringerung der Zahl von roten Blutkörperchen (Anämie). Abnahme der Zahl der Blutplättchen (Thrombopenie) und dadurch vermehrte Blutungsneigung
Niere Verschlechterung der Nierenfunktion (Niereninsuffizienz)
Blutdruckanstieg
Veränderung von Blutsalzen (Hyperkaliämie, Hypomagnesiämie)
Nervensystem Unwillkürliches Zittern (Tremor), Müdigkeit, Gefühlsstörungen mit Missempfindung (Parästhesien) Kopfschmerzen, Krampfanfälle
Sonstiges
Reversible Störungen der Regelblutung (Dys-/Amenorrhoe), Muskelerkrankungen mit Muskelschwäche (Myopathie), Wassereinlagerung (Ödeme), Fettstoffwechselstörung (Hyperlipidämie), Erhöhung des Harnsäurewertes (Hyperuricämie). Infekt-,Lymphom- und Malignomrisiko

Kontraindikationen

Verschiedene Gründe können gegen eine Therapie mit Ciclosporin sprechen (Kontraindikationen), z.B. Allergie gegen Ciclosporin, Infektionen, bösartige Erkrankungen (auch nach Behandlung), unkontrollierter Bluthochdruck, Leber- oder Nierenfunktionsstörung. Die Entscheidung darüber trifft der behandelnde Arzt.

Wechselwirkungen

Die Wirkung von Ciclosporin kann durch andere Medikamente abgeschwächt oder verstärkt sein. Vor der Verordnung von Ciclosporin sollte deshalb bekannt sein, welche Medikamente sonst eingenommen werden. Wechselwirkungen werden unter anderem für Barbiturate, Ketoconazol, Antibiotika, Doxycyclin, orale Kontrazeptiva, Propafenon und Calcium-Antagonisten beschrieben, des weiteren für Barbiturate, Carbamazepin, Phenytoin, Metimazol, Rifampizin, Trimethoprim.

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Worauf soll man besonders achten ?

Erhöhter Blutdruck

Eine unter Ciclosporin relativ häufig auftretende Nebenwirkung ist ein Anstieg des Blutdruckes. Sie sollten deshalb auf regelmäßige Kontrollen ihres Blutdrucks achten. Vor allem Anstiege des unteren (diastolischen) Wertes gelten als gefährlich und können zum Abbruch der Behandlung zwingen.

Nierenfunktion

Ciclosporin kann zur reversiblen Einschränkungen der Nierenfunktion führen. Aus diesem Grunde werden unter der Behandlung regelmäßige Kontrollen der Nierenfunktion erfolgen. Üblicherweise geschieht dies durch Bestimmung des sogenannten Kreatininwertes im Blut. Anstiege dieses Blutwertes auf > 130% des Wertes vor Therapie machen Reduktion der Ciclosporindosis, unter Umständen auch einen Therapieabbruch erforderlich.

Veränderungen von Blutbild, Leber- und Nierenwerten

Störungen der Blutbildung durch Ciclosporin, eine Schädigung der Leber oder eine Nierenfunktionsstörung machen sich für die Betroffenen meist erst bemerkbar, wenn Sie sehr ausgeprägt sind. So kann eine Verminderung der Blutplättchen (Thrombopenie) zu einer vermehrten Blutungsneigung (z.B. häufiges Auftreten blauer Flecken, verzögerte Blutgerinnung) führen oder ein Blutmangel (Anämie) zu Müdigkeit führen. Man untersucht unter der Therapie mit Ciclosporin deshalb regelmäßig die entsprechenden Blutwerte (Blutbild, Leberwerte, Nierenwerte) und den Urin. So können Störungen dieser Organe in der Regel bereits sehr früh erfasst werden, bevor sie zu Krankheitssymptomen führen. Insbesondere kann man dadurch bleibenden Schäden vorbeugen.

Unwillkürliches Zittern, Missempfindungen

Eine bekannte mögliche Nebenwirkung von Ciclosporin ist das Auftreten unwillkürlichen Zitterns, vor allem der Hände (Tremor). Darüber hinaus kann es zu Missempfindungen wie Kribbeln, Taubheitsgefühl und "Einschlafen" der Haut kommen. Beim Auftreten dieser Symptome sollten Sie die Behandlung unterbrechen und ihren Arzt kontaktieren.

Krebsrisiko durch Immunosporin?

Immunosporin ist keine krebserzeugende Substanz. Immunosporin wirkt aber immunsuppressiv, d.h. es schwächt das Abwehrsystem des Körpers. Grundsätzlich kann damit nicht ausgeschlossen werden, dass Ciclosporin das Wachstum von Tumoren, die aus anderer Ursache entstanden sind, begünstigt, weil die Immunabwehr für die Dauer der Behandlung geschwächt ist. Es wird deshalb empfohlen, Patienten mit bestehendem Tumorleiden oder Tumorverdacht nicht mit Ciclosporin zu behandeln.

Bei Patienten mit einer Schuppenflechte kann durch Ciclosporin - insbesondere nach einer vorangegangenen PUVA-Behandlung, das Hautkrebsrisiko erhöht sein. Ein Nachweis für ein erhöhtes Risiko bösartiger Erkrankungen bei Patienten mit Rheumatoider Arthritis (RA) unter Ciclosporin-Behandlung konnte dagegen bisher nicht erbracht werden.

Ein erhöhtes Risiko bösartiger Erkrankungen unter Ciclosporin kann damit letztlich nicht völlig ausgeschlossen werden. Nach heutiger Kenntnis ist dieses Risiko für Patienten mit einer Polyarthritis aber allenfalls als sehr gering einzuschätzen.

Empfängnis und Schwangerschaft

Immunosporin sollte laut Fachinformation in der Schwangerschaft nicht eingesetzt werden, es sei denn der positive Nutzen für die Mutter rechtfertigt die möglichen Risiken für den Fetus. Vor einer geplanten Empfängnis sollten Sie daher Kontakt mit dem Rheumatologen und ihrem Frauenarzt aufnehmen. Es gibt Hinweise, dass Ciclosporin das Risiko für Komplikationen während der Schwangerschaft erhöht (z.B. Frühgeburt). Es wurde jedoch keine erhöhte Missbildungsrate beobachtet. Während der Schwangerschaft sollte eine engmaschige Kontrolle durch den Frauenarzt und den Rheumatologen gewährleistet sein.

Sonstiges

Eine Impfung mit sogenannten Lebendimpfstoffen sollte während der Therapie mit Ciclosporin nicht erfolgen.

Wenn Sie unter der Behandlung mit Ciclosporin neue Beschwerden verspüren und sich nicht sicher sind, ob dies Nebenwirkungen der Therapie sind, besprechen Sie dies bitte mit Ihrem Arzt.

Vor einer Operation ist eine Therapieunterbrechung nicht zwingend erforderlich, nehmen Sie in diesen Fällen Kontakt mit dem behandelnden Arzt/Rheumatologen auf.

Nach Absetzen von Ciclosporin kann ein Krankheitsschub auftreten.

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Welche Kontrolluntersuchungen sind nötig ?

Um Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen und möglichen Schäden vorzubeugen, wird unter der Behandlung mit Ciclosporin zu regelmäßigen Kontrollen geraten.

Von der AG Regionale Rheumazentren in der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie wurden folgende Empfehlungen gegeben:

Überwachungsprogramm während der Therapie: In den ersten zwei Monaten alle 1 bis 2 Wochen, danach alle 4 Wochen

Befragung und körperliche Untersuchung: Vermehrte Körperbehaarung (Hypertrichose), Zahnfleischverdickung (Gingivahyperplasie), Blutdruckkontrolle, unwillkürliches Zittern (Tremor), Gefühlsstörungen/Missempfindungen (Parästhesien), Beschwerden von Magen und Darm
Laborbestimmungen: großes Blutbild, Leberwerte, Nierenwerte, Urin, Kalium

Die aktuellen Empfehlungen können unter http://www.rheumanet.org heruntergeladen werden. Diese Empfehlungen sind nicht bindend. Im Einzelfall können insbesondere die genannten Untersuchungsintervalle davon abweichen.

Bitte beachten Sie:
Die Erkenntnisse der Medizin unterliegen einem ständigen Wandel durch Forschung und klinische Erfahrung. Bei der Erstellung dieser Information wurde große Sorgfalt darauf verwendet, dass die gemachten Aussagen dem derzeitigen Wissensstand entsprechen. Sie können eine Aufklärung durch den Arzt aber nicht ersetzen, ebenso wenig sind sie als Ersatz für die Medikamenten beiliegende Informationen (Beipackzettel) gedacht.

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