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Die Ursachen dieser Fehlsteuerung sind oft nicht bekannt und können dementsprechend nicht selbst bekämpft werden. Mit gutem Erfolg kann man aber durch Medikamente die gestörte Immunantwort unterdrücken und so die Symptome einer Autoimmunerkrankung mindern oder ganz beseitigen. Insbesondere verhindert man so auch bleibende Schädigungen der betroffenen Organe. Wegen dieser Wirkung auf das Immunsystem spricht man auch von Immunsuppression (Suppression = Unterdrückung).
Das bekannteste Medikament zur Immunsuppression ist Cortison. Dem Vorteil einer schnellen Wirkung steht bei längerem Gebrauch die Gefahr zahlreicher Nebenwirkungen (z.B. Gewichtszunahme, Osteoporose etc.) entgegen. Wenn eine Behandlung zur Immunsuppression über längere Zeit notwendig ist, dann versucht man deshalb durch Gabe anderer Medikamente Dauer und Höhe der Cortisongabe so gering wie möglich zu halten oder auch entbehrlich zu machen.
Ein bekanntes und häufig zu diesem Zweck eingesetztes Medikament ist Azathioprin (Handelsnamen z.B. Azafalk®, Azamedac®, Imurek®, Zytrim®). Es wird zur Behandlung verschiedener Autoimmunerkrankungen und hier speziell auch bei rheumatischen Gelenkentzündungen (chronischen Polyarthritis, Psoriasisarthritis und andere) eingesetzt. Da Azathioprin bei der letzteren Krankheitsgruppe den zugrundeliegenden Entzündungsprozeß bekämpft und und somit der Verlauf der Erkrankung günstig beeinflusst, bezeichnet man es gemeinsam mit anderen zu diesem Zweck eingesetzten Wirkstoffen auch als Basismedikament oder krankheitsmodifizierendes Medikament (Disease Modifying AntiRheumatic Drug - DMARD).
Die Entscheidung für eine Behandlung mit einem Medikament wie Azathioprin beruht auf einer Abwägung möglicher Risiken einer Behandlung oder Nichtbehandlung. Es steht das Risiko der Krankheit (bleibende oder zunehmende Gelenk- bzw. Organschäden) gegen das Risiko der Behandlung (Nebenwirkungen). Verständlicherweise fürchtet man als betroffener Patient mögliche Medikamenten-Nebenwirkungen. Man sollte dies für sich selber aber auch immer gegen die möglichen Risiken einer unzureichend behandelten rheumatischen Erkrankung abwägen.
Azathioprin greift in den Stoffwechsel von Zellen des Immunsystems (Lymphozyten) ein und bekämpft dadurch die durch diese Zellen vermittelten krankhaften Reaktionen des Immunsystems bei Autoimmunerkrankungen. Dadurch werden entzündliche Prozesse an Gelenken und Organen bei rheumatischen Erkrankungen, aber auch bei verschiedenen anderen Autoimmunerkrankungen unterdrückt. In einem gewissen Maß werden auch die normalen Funktionen des Immunsystems gestört, man beobachtet deshalb unter der Behandlung mit dem Medikament unter Umständen z.B. auch eine Häufung von Infekten.
Azathioprin wird in Tablettenform eingenommen.
Typisch für die Behandlung mit Basismedikamenten wie Azathioprin ist, dass diese erst mit einer Verzögerung von 4-6 Wochen, manchmal bis zu 3 Monaten, ihre Wirkung entfalten. Man kann also nicht gleich nach der ersten Gabe von Azathioprin eine sofortige Besserung erwarten. Wenn dies nötig ist, kann man die Zeit bis zum Wirkungseintritt durch die Einnahme von Cortison überbrücken. Cortison wirkt ebenfalls entzündungshemmend, seine Wirkung setzt praktisch sofort ein. Wegen möglicher Nebenwirkungen von Cortison (z.B. Osteoporose, Gewichtszunahme) ist man dabei allerdings bemüht, die Dauer der Cortisontherapie sowie die Dosierung so kurz wie möglich zu halten.
Wenn unter der Behandlung eine Besserung der rheumatischen Entzündung (z.B. Rückgang von Gelenkschmerz und -schwellung) erreicht wurde, dann muss die Behandlung zunächst einmal fortgeführt werden. Ein Absetzen führt sonst leicht zu einem erneuten Krankheitsschub. Manchmal ist eine Fortführung der Therapie über Jahre notwendig.
Die Therapie mit Azathioprin soll in ihrer Wirkung und wegen möglicher Nebenwirkungen regelmäßig durch den Arzt, möglichst auch durch einen Rheumatologen überwacht werden. Kann die Behandlung wegen Nebenwirkungen (z.B. Übelkeit) nicht fortgeführt werden oder erweist sie sich als nicht ausreichend, dann muss unter Umständen auf ein anderes entzündungshemmendes Medikament (Basismedikament) umgestellt werden.
Der Beipackzettel des Medikamentes listet zahlreiche mögliche Nebenwirkungen auf. Für den Betroffenen ist es wichtig, dabei zwischen häufigen und seltenen sowie zwischen schwerwiegenden und harmloseren Nebenwirkungen zu unterscheiden. Um die Orientierung zu erleichtern, enthält die folgende Aufstellung nur die wichtigsten Nebenwirkungen. Ein Anspruch auf Vollständigkeit wird dabei nicht erhoben.
| Organ | Häufige Nebenwirkungen | Seltene Nebenwirkungen |
| Haut/Schleimhaut | Hautauschlag (Exanthem), vermehrter Haarausfall | |
| Verdauungstrakt | Übelkeit, Erbrechen Durchfall |
Bauchspeicheldrüsenentzündung
Anstieg von Leberwerten Gelbsucht (Ikterus) |
| Blut | Verringerung der Zahl von weißen (Leukopenie) und/oder roten Blutkörperchen (Anämie). | Abnahme der Zahl der Blutplättchen (Thrombopenie) und dadurch vermehrte Blutungsneigung. Weitere Blutbildveränderungen. |
| Lunge | "Allergische" Lungenentzündung (Pneumonitis) mit Fieber, trockenem Husten und Auswurf | |
| Herz/Kreislauf | Blutdruckabfall, Herzrhythmusstörung | |
| Sonstiges | vermehrte Infektanfälligkeit | Gelenk- und Muskelschmerzen |
| Fieber (sogenanntes "Medikamentenfieber"), nach Absetzen rückbildungsfähig |
Verschiedene Gründe können gegen eine Therapie mit Azathioprin sprechen (Kontraindikationen), z.B. Allergie gegen Azathioprin, Schwangerschaft oder aktueller Kinderwunsch, unzureichende Empfängnisverhütung, Lebererkrankung. Die Entscheidung darüber trifft der behandelnde Arzt.
Die Wirkung von Azathioprin kann durch andere Medikamente abgeschwächt oder verstärkt sein. Vor der Verordnung von Azathioprin sollte deshalb bekannt sein welche Medikamente sonst eingenommen werden.
Unter der Behandlung mit Azathioprin kann es zum gehäuften Auftreten von Infekten kommen, insbesondere von Virusinfektionen. Eine solche Häufung von Infekten, insbesondere das Auftreten schwerwiegender Erkrankungen (z.B. Gürtelrose) kann zum Abbruch der Therapie zwingen. Beim Auftreten von Fieber unter Azathioprin sollte auch an die Möglichkeit eines sogenannten "Medikamentenfiebers" gedacht werden, das durch das Medikament selber bedingt ist und sich nach Absetzen zurückbildet.
Das menschliche Immunsystem wehrt nicht nur Infektionen durch Bakterien oder Viren ab, es dient auch der Bekämpfung von entarteten Zellen und den durch diese bedingten bösartigen Erkrankungen. Obwohl Azathioprin in erster Linie zur Bekämpfung krankhafter Autoimmunreaktionen des Immunsystems eingesetzt wird, kann ein Einfluss auf die gesunden (physiologischen) Immunreaktionen nicht ausgeschlossen werden. Verschiedene wissenschaftliche Untersuchungen haben sich daher mit der Frage auseinandergesetzt, ob Patienten unter der Behandlung mit Azathioprin ein erhöhtes Risiko für das Auftreten bösartiger Erkrankungen haben. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen waren z.T. widersprüchlich. Einige zeigten eine leichte erhöhte Rate von bösartigen Neubildungen, insbesondere des Lymphsystems (Lymphome), andere bestätigten dies nicht. Insgesamt scheint es aber unter Azathioprin ein leicht erhöhtes Risikos für bösartige Neubildungen zu geben, insbesondere solche des Lymphsystems.
Störungen der Blutbildung durch Azathioprin, eine Schädigung der Leber oder eine Nierenfunktionsstörung machen sich für die Betroffenen meist erst bemerkbar, wenn Sie sehr ausgeprägt sind. So kann eine Verminderung der Blutplättchen (Thrombopenie) zu einer vermehrten Blutungsneigung (z.B. häufiges Auftreten blauer Flecken, verzögerte Blutgerinnung) führen, ein Blutmangel (Anämie) zu Müdigkeit führen oder eine Mangel weißer Blutkörperchen Ursache von Fieber sein. Man untersucht unter der Therapie mit Azathioprin deshalb regelmäßig die entsprechenden Blutwerte (Blutbild, Leberwerte, Nierenwerte) und den Urin. So können Störungen dieser Organe in der Regel bereits sehr früh erfasst werden, bevor sie zu Krankheitssymptomen führen. Insbesondere kann man dadurch bleibenden Schäden vorbeugen.
Azathioprin wirkt immunsupprimierend, d.h. es hat eine das Abwehrsystem des Körpers schwächende Wirkung. Deshalb kann es unter der Behandlung unter Umständen vermehrt zum Auftreten von Infektionen kommen (z.B. Bronchitis, Nierenbeckenentzündung). Bei fieberhaften Infekten kann es deshalb notwendig sein, das Medikament vorübergehend abzusetzen. Nehmen Sie in diesen Fällen Kontakt zu Ihrem Arzt/Ärztin auf.
Fieber, Luftnot und Husten unter Azathioprin-Therapie können Ausdruck der sehr seltenen, aber schwerwiegenden Nebenwirkung einer "allergischen " Entzündung der Lunge (Pneumonitis, Alveolitis) sein. Diese Erkrankung bedarf einer besonderen Diagnostik und Therapie. Ausserdem muss in diesen Fällen die Azathioprin-Therapie abgebrochen werden. Falls die genannten Beschwerden bei Ihnen auftreten, sollten Sie deshalb unverzüglich Kontakt mit Ihrem behandelnden Arzt/Rheumatologen aufnehmen.
Wegen möglicher Mißbildungen oder Fehlgeburten unter der Behandlung mit Azathioprin sollte eine sichere Verhütungsmethode angewendet werden. Dies gilt nicht nur für Frauen, die schwanger werden wollen, sondern auch für Männer mit Kinderwunsch. Falls eine Schwangerschaft geplant ist, muss die Therapie in einem ausreichenden Abstand zur Empfängnis beendet werden (mindestens 6 Monate). Sie sollten dies mit Ihrer/em behandelnden Rheumatologen/in absprechen.
Eine Impfung mit sogenannten Lebendimpfstoffen sollte während der Therapie mit Azathioprin nicht erfolgen. Alkohol sollte vermieden werden.
Wenn Sie unter der Behandlung mit Azathioprin neue Beschwerden verspüren und sich nicht sicher sind, ob dies Nebenwirkungen der Therapie sind, besprechen Sie dies bitte mit Ihrem Arzt.
Nach Absetzen von Azathioprin kann ein Krankheitsschub auftreten.
Um Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen und möglichen Schäden vorzubeugen, wird unter der Behandlung mit Azathioprin zu regelmäßigen Kontrollen geraten.
Von der AG Regionale Rheumazentren in der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie wurden folgende Empfehlungen gegeben:
| Überwachungsprogramm während der Therapie:
In den ersten 2 Monaten alle 8 - 14 Tage, danach alle 4 Wochen |
| Befragung und körperliche Untersuchung: | Hautauschlag, Beschwerden wie Übelkeit, Fieber, Infekte, Blutungen |
| Laborbestimmungen: | Blutbild einschl. Thrombozyten und Diff.-Blutbild Gamma-GT, alk. Phosphatase, GPT Kreatinin, Urinuntersuchung |
Die aktuellen Empfehlungen können unter http://www.rheumanet.org heruntergeladen werden. Diese Empfehlungen sind nicht bindend. Im Einzelfall können insbesondere die genannten Untersuchungsintervalle davon abweichen.
| Die Erkenntnisse der Medizin unterliegen einem ständigen Wandel durch Forschung und klinische Erfahrung. Bei der Erstellung dieser Information wurde große Sorgfalt darauf verwendet, dass die gemachten Aussagen dem derzeitigen Wissensstand entsprechen. Sie können eine Aufklärung durch den Arzt aber nicht ersetzen, ebenso wenig sind sie als Ersatz für die Medikamenten beiliegende Informationen (Beipackzettel) gedacht. |