Chronische Polyarthritis


Ball.gif - .327 K Chronische Polyarthritis, der entzündliche Gelenkrheumatismus
Ball.gif - .327 K Ursachenforschung: Umwelt?, Vererbung?, Schicksal?
Ball.gif - .327 K Schmerz, Schwellung, Gelenksteifigkeit und andere Symptome
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Chronische Polyarthritis, der entzündliche Gelenkrheumatismus

Was bedeutet eigentlich "Polyarthritis"?

Der Begriff Polyarthritis leitet sich aus dem Alt-Griechischen her und setzt sich aus den beiden Wörtern "poly" = viele, zahlreiche und "arthritis" = Gelenkentzündung zusammen. Somit trifft dieser Begriff sämtliche Krankheiten, in deren Verlauf es zu einer Entzündung mehrere Gelenke kommt. Krankheiten mit Entzündungen nur weniger Gelenke (weniger als 4) bezeichnet man entsprechend als Oligarthritis (von "oligo" = wenige), Entzündungen eines einzelnen Gelenkes als Monarthritis ("mono" = ein).

Man bezeichnet die Erkrankung als chronisch, weil sie in der Regel nicht ausheilt, sondern über Jahre, manchmal lebenslang fortbesteht. Dies bedeutet, dass man eine chronische Polyarthritis nicht in dem Sinne heilen kann, dass man die Erkrankung gewissermassen rückgängig macht. Man kann aber ein Fortschreiten durch die Therapie aufhalten. Dazu kann man auch als Betroffener viel beitragen.

Was genau ist eine Arthritis?

Anders als es zunächst erscheinen mag, kommt es bei einer Gelenkentzündung (Arthritis) primär nicht zu einer Entzündung der Gelenkknochen, sondern der das Gelenk umhüllenden und ernährenden Gelenkinnenhaut. Diese heisst in der medizinischen Fachsprache Synovialis. Von diesem Begriff leiten sich andere Fachbegriffe ab, z.B. Radiosynoviorthese, Synovektomie. Aus diesem Grunde wird anstelle des Begriffes Arthritis gerne auch von einer Synovialitis gesprochen (die Endung "itis" steht für Entzündung).

Die entzündete Gelenkinnenhaut schwillt an, ist überwärmt und schmerzt. Man sieht dies oft schon von aussen, z.B. an den Fingergelenken. Oft kommt es auch zu einer vermehrten Bildung von Gelenkflüssigkeit (z.B. am Knie), die ebenfalls zu einer Anschwellung der Gelenke beiträgt. Man nennt dies einen Gelenkerguß. Die Entzündung der Gelenke führt durch Schmerz und Schwellung zu Bewegungseinschränkungen. Gelingt es nicht, die Entzündung aufzuhalten, dann führt diese auf Dauer auch zu einer Schädigung und Zerstörung der Gelenkknochen. Die Folge sind bleibende Schäden der Gelenke, die oft nur noch durch Operationen beseitigt werden können (z.B. künstliche Gelenke). Es ist ein wichtiges Ziel bei der Behandlung einer Arthritis, die Entzündung soweit zu beherrschen, dass solche Gelenkschäden möglichst wenig oder garnicht auftreten.

Welche Gelenke sind betroffen?

Grundsätzlich kann eine Polyarthritis an allen Gelenken des Körpers auftreten. Dabei kann der Ort der Entzündung im zeitlichen Verlauf wechseln, die Entzündung von Gelenk zu Gelenk springen. Ebenso gibt es Menschen, bei denen die Erkrankung auf bestimmte Gelenke beschränkt bleibt. Die Gelenkentzündungen können symmetrisch auftreten (z.B. an den Fingergrund- und mittelgelenken) oder auch asymmetrisch und irregulär.

Tatsächlich stellt sich die Krankheit von Mensch zu Mensch und auch bei einem einzelnen Betroffenen im Zeitablauf oft sehr unterschiedlich dar. Dies gilt auch für die Ausprägung einer Polyarthritis. Die Erkrankung kann sehr milde verlaufen, manchmal aber auch sehr stark ausgeprägt sein.

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Ursachenforschung: Umwelt?, Vererbung?, Schicksal?

Viele Menschen, die an einer chronischen Polyarthritis erkranken, fragen oft: "Woher kommt die Krankheit? Warum erkranke gerade ich?". Nicht selten steht dahinter die Hoffnung, eine Ursache für die Krankheit zu finden, die man gerne beseitigen möchte, um wieder gesund zu werden. So werden Einflüsse aus der Umwelt (z.B. Kälte und Feuchtigkeit, Strahlen) vermutet, oder die Krankheit wird als Folge schwerer körperlicher Arbeit, schlechter Ernährung oder anderer körperlicher Beschwerden (z.B. entzündete Zähne, Entzündungsherde im Körper) gedeutet. Eine wichtige Frage ist auch die, ob eine chronische Polyarthritis vererbbar ist. Viele Betroffene fürchten, die Erkrankung an Ihre Kinder weiterzugeben.

Welche Rolle spielen äußere Faktoren wie Umwelt, Arbeit oder Ernährung?

Patienten mit rheumatischen Erkrankungen berichten oft, dass ihre Beschwerden bei bestimmten Wetterlagen (z.B. feucht-kaltes Wetter) zunehmen, dagegen z.B. bei warmer, sonniger Witterung gebessert sind. Manche können einen Wetterwechsel regelrecht in ihren Gelenken "fühlen". Daraus schliessen manche Menschen, dass solche Witterungsbedingungen (z.B. naß-kaltes Wetter) auch die Ursache der chronischen Polyarthritis sein. Dies kann man aber aufgrund des heutigen Wissenstandes ausschließen. Witterungsbedingungen haben sicher einen Einfluß auf das Ausmaß der Beschwerden, eine chronische Polyarthritis wird aber dadurch nicht verursacht.

Noch weniger richtig ist es, einen Zusammenhang zwischen schwerer körperlicher Arbeit und einer chronischen Polyarthritis herzustellen. Natürlich ist es auch hier so, dass eine vermehrte Belastung erkrankter Gelenke zu einer Zunahme der Gelenkschmerzen führen kann. Andere, von der chronischen Polyarthritis nicht betroffene Gelenke, sind aber normal belastbar.

Eine wichtige Frage ist sicher die nach dem Zusammenhang zwischen Ernährung und chronischer Polyarthritis. Auch hier gilt: Die Erkrankung wird nach dem heutigen Stand der Wissenschaft nicht durch eine falsche Ernährung ausgelöst. Daher kann man eine chronische Polyarthritis auch nicht durch eine Ernährungsumstellung heilen. Man weiss aber, dass die Ernährung einen Einfluß auf das Ausmass der Beschwerden hat. In der Tat gibt es gute Argumente dafür, dass man durch eine Ernährungsumstellung bei der chronischen Polyarthritis Schmerzmittel einsparen kann (vgl. auch Rheuma und Ernährung).

Welche Rolle spielt die Seele?"

Tatsächlich gibt es gelegentlich Menschen, die berichten, dass die chronische Polyarthritis bei Ihnen nach einem seelisch erschütternden Erlebnis, z.B. dem Tod eines nahen Angehörigen, auftrat. Man kann davon ausgehen, dass bei diesen Menschen solche Erlebnisse zwar nicht ursächlich für die Erkrankung waren, aber offensichtlich doch den Zeitpunkt des Erkrankungsbeginnes beeinflußt haben. Sie wären wahrscheinlich auch ohne die seelische Erschütterung erkrankt, nur dann zu einem anderen, späteren Zeitpunkt. Wie andere äußere Faktoren, so können seelische Vorgänge allerdings durchaus einen deutlichen Einfluß auf die Schmerzempfindung und auf die Fähigkeit haben, mit der Erkrankung umzugehen. Ebenso leicht ist nachzuvollziehen, dass eine chronische Erkrankung, die mit Schmerzen und Bewegungseinschränkungen einhergeht, nicht ohne Einfluß auf das seelische Leben bleibt. Die psychologische Betreuung von Rheumakranken umfaßt beides: die Hilfe bei der Schmerz- und Krankheitsbewältigung ebenso wie die Unterstützung bei krankheitsbedingten seelischen Problemen.

Chronische Polyarthritis, eine Erbkrankheit?

Diese Frage stellen sich viele Betroffene. Sie befürchten, die chronische Polyarthritis könne ähnlich wie andere Erbkrankheiten auf ihre Kinder übertragen werden. Es gibt in der Tat Familien, in denen die Erkrankung häufiger auftritt. Genauso gut kann eine Polyarthritis aber auch bei Menschen auftreten, in deren Verwandtschaft niemand eine rheumatische Erkrankung hat. Ähnliches beobachtet man übrigens auch bei vielen anderen Erkrankungen. Man muss dies aber klar von richtigen Erbkrankheiten trennen, bei denen die Krankheit quasi gesetzmäßig nach bestimmten Vererbungsregeln auf die Nachkommen übertragen wird. Dies ist bei der chronischen Polyarthritis sicher nicht der Fall. Ein an Polyarthritis Erkrankter "vererbt" diese Erkrankung also nicht. Natürlich schließt dies nicht mit letzter Sicherheit aus, das auch eines seiner Kinder an einer Polyarthritis erkranken kann.

Welche Ursachen sind bekannt ?

Obwohl es zahlreiche Theorien dazu gibt, konnte bisher keine eindeutige Ursache der chronischen Polyarthritis gefunden werden. Man vermutet sogar, dass verschiedenste Bedingungen in verschiedenen Konstellationen die Erkrankung auslösen können. Eine einzige Ursache (z.B. ein Virus oder eine Bakterie) wird man wahrscheinlich nie identifizieren können. Für die Betroffenen bedeutet dies einerseits, dass eine ursächliche Behandlung der Erkrankung in naher Zukunft nicht zur Verfügung stehen wird (wobei die Behandlungsmöglichkeiten immer besser werden). Andererseits darf man eine chronische Polyarthritis als eine unglückliche Schicksalsfügung betrachten, für deren Entstehung man keine Schuld trägt. Wenn man an chronischer Polyarthritis erkrankt, so hat man sicher nichts "falsch" gemacht.

Wenn man auch die eigentlichen Ursachen der Erkrankung noch nicht kennt, so hat man doch inzwischen recht genaue Vorstellungen davon, was genau im Körper bei einer rheumatischen Entzündung geschieht. Die chronische Polyarthritis wird zu den sogenannten Autoimmunerkrankungen gezählt. Normalerweise funktioniert das Immunsystem als körpereigene Abwehr so, dass es sich gegen den Körper schädigende Einflüsse richtet, z.B. Bakterien, Viren oder auch Tumorzellen. Ein mögliches äußeres Zeichen dieser Auseinandersetzung sind Entzündungen. Bei Autoimmunerkrankungen kommt es aus meist ungeklärten Gründen zu einer Fehlfunktion des Immunsystems. Diese führt dazu, dass sich das Immunsystem gegen körpereigene Strukturen richtet und dort zu Entzündungen führt. Bei der chronischen Polyarthritis sind diese typischerweise in den Gelenken lokalisiert.

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Schmerz, Schwellung, Gelenksteifigkeit und andere Symptome

Die Polyarthritis führt durch die Entzündung von Gelenken zu Schmerzen, Gelenkschwellungen und einer Steifigkeit betroffener Gelenke. Typischerweise ist dieses Steifigkeitsgefühl in den Morgenstunden besonders ausgeprägt. Im typischen Fall hält es mindestens 1/2 h bis zu mehreren Stunden an. Je stärker die Aktivität der Erkrankung, d.h. je ausgeprägter die Entzündungen, desto mehr Gelenke sind von Schmerz und Schwellung betroffen und umso ausgeprägter ist die morgendliche Steifigkeit der Gelenke. Den Erfolg einer entzündungshemmenden Behandlung der Polyarthritis (z.B. durch sogenannte Basismedikamente) kann man sehr gut am Rückgang dieser Symptome messen.

Die Gefahr: Gelenkzerstörung

Neben Schmerz und Schwellung der Gelenke sind die betroffenen Patienten meist auch durch eine Funktionseinschränkung erkrankter Gelenke betroffen. Eine besondere Gefahr liegt daran, dass die rheumatische Gelenkentzündung auf Dauer, d.h. über Monate bis Jahre, zu einer Zerstörung der gelenkbildenden Knochen führen kann. Dann treten auch zunehmende Deformierungen der Gelenke und irreversible Bewegungseinschränkungen auf. Es ist deshalb ein wichtiges Ziel vor allem der Therapie mit Medikamenten, die die Aktivität der Erkrankung bzw. das Ausmass der Entzündung so weit wie möglich zu mindern.

Chronische Polyarthritis und Weichteilrheuma

Neben den Gelenken sind oft auch andere Strukturen des Bewegungsapparates betroffen. Es kann ebenso zu rheumatischen Entzündungen von Sehnenscheiden kommen, die im Extremfall zu einem Abriß von Sehnen führen. Schließlich können zahlreiche Beschwerden im Bereich gelenknaher Weichteile auftreten, insbesondere Schmerzen an Sehnen sowie der Muskulatur. Man spricht hier von weichteilrheumatischen Beschwerden. Letztere sind oft durch Medikamente alleine nicht ausreichend zu beherrschen und bedürfen dann einer krankengymnastischen Behandlung bzw. Anwendungen (z.B. Wärme).

Was sonst noch passieren kann: Seltenere Symptome

  1. Nerven:
    Die entzündliche Schwellung eines Handgelenkes bei chronischer Polyarthritis kann gelegentlich zu einer Druckschädigung der über das Handgelenk führenden Nerven führen. Besonders häufig betroffen ist der über die Mitte des Handgelenkes führende "Nervus medianus", weil dieser aufgrund des besonderen Aufbaus des Handgelenkes im sogenannten "Karpaltunnel" fixiert ist und deshalb einer vom Handgelenk ausgehenden Schwellung nicht ausweichen kann. Typische Folge der Nervenschädigung ist das sogenannte "Karpaltunnelsyndrom", das sich in Mißempfindungen (Kribbeln, Taubheitsgefühl) der Finge äußert. Diese Mißempfindungen treten häufig verstärkt während der Morgenstunden auf, sie betreffen alle Finger der Hand, aber typischerweise nicht den Kleinfinger. Hält diese Störung länger an, dann kann es auch zu einer Muskellähmung kommen, die das Greifen erschwert. Die Diagnose "Karpaltunnelsyndrom" kann häufig schon durch die typischen Beschwerden gestellt werden. Darüber hinaus kann man sie durch spezielle neurologische Untersuchungen weiter sichern. Wenn andere Maßnahmen (spezielle Handgelenksschienen, medikamentöse Therapie der rheumatischen Entzündung) nicht reichen, muss häufig der im Karpaltunnel fixierte Nerv operativ gelöst werden ("Karpaltunnelspaltung").

    Viel seltener kommt es im Rahmen der chronischen Polyarthritis zu einer Entzündung von Nerven (Polyneuropathie), die sich ebenfalls in Mißempfindungen wie Kribbeln und elektrisierende Schmerzen äußert. Die Diagnose einer Polyneuropathie wird durch den Neurologen gestellt.

  2. Haut:
    Eine typische Hautveränderung bei der chronischen Polyarthritis sind sogenannte Rheumaknoten. Sie treten nur bei der mit einem Rheuma-Faktor-Nachweis einhergehenden Form der chronischen Polyarthritis ("seropositive chronische Polyarthritis") auf. Rheumaknoten sind erbsen- bis mandarinengroße, derbe, schmerzlose und verschiebliche knotige Verhärtungen im Unterhautgewebe, die häufig an den Streckseiten der Ellenbogen, der Fingergelenke aber auch an anderen Stellen auftreten können. Diese Knoten sind an sich harmlos und stellen für die Betroffenen eher ein kosmetisches Problem dar. Eine operative Entfernung ist normalerweise nicht notwendig.

  3. Halswirbelsäule:
    Selten kommt es bei der chronischen Polyarthritis auch zur Entzündung von gelenkigen Verbindungen der Halswirbel (Spondylitis). Diese Entzündungen können dazu führen, dass sich die Verbindungen zwischen einzelnen Halswirbeln lösen, meist zwischen dem ersten und zweiten Halswirbel. Bei Kopfbewegungen können sich diese Wirbel gegeneinander verschieben. Die Folge sind bewegungsabhängige Schmerzen im Bereich des Nackens; oder die betroffenen Wirbel drücken auf das Rückenmark und führen zu elektrisierenden Schmerzen und Mißempfindungen im Bereich des Nackens und der Arme. Bei Extrembewegungen (z.B. Überstrecken des Kopfes) sind dann auch gefährlichere Folgen bis hin zu lebensbedrohlichen Zuständen möglich. Wer als Betroffener solche von Kopfbewegungen abhängige Mißempfindungen erlebt, sollte dies seinem behandelnden Arzt in jedem Fall mitteilen. Man kann dann mittels Röntgenaufnahmen und kernspintomografischer Untersuchungen (MRT) eine genauere Klärung herbeiführen. Insbesondere muß durch solche Untersuchungen auch geklärt werden, ob eine Operation erforderlich ist. Wenn dies der Fall ist, dann werden die betroffenen Wirbel meist operativ miteinander fest verbunden (versteift), damit sie sich nicht mehr gegeneinander bewegen.

  4. Augen:
    Ein relativ häufiges Symptom einer Augenbeteiligung ist das sogenannte Sicca-Syndrom (= trockene Augen). Hierbei kommt es durch ein teilweises Versiegen der Tränenproduktion zu einer Trockenheit der Bindehaut des Auges. Die Folge sind häufige Reizungen (Rötung, Brennen, Tränen) der Bindehaut. Es kann zusätzlich auch zu einer Trockenheit des Mundes durch verminderte Speichelbildung sowie anderer Schleimhäute (z.B. Scheide) kommen. Man spricht dann häufig auch von einem sogenannten Sjögren-Syndrom. Weitaus seltener kommt es bei schweren Verläufen der Erkrankung im Bereich der Augen zu einer Entzündung der Hornhaut (Episklerits, Skleritis). Die Diagnose dieser Erkrankungen erfolgt durch den Augenarzt, der auch eine entsprechende Behandlung einleitet (z.B. Augentropfen).

  5. Blutbildveränderungen:
    Recht häufig kommt es bei einer rheumatischen Entzündung auch zu einer Blutarmut (Anämie). Diese kann sich in vermehrter Müdigkeit und verminderter Belastbarkeit äußern. Eine Blutarmut lässt sich leicht durch eine Blutuntersuchung (Blutbild) nachweisen. Die häufigste Ursache dieser Blutarmut ist ein Eisenmangel (Der Körper braucht für die Blutbildung Eisen). Bei Entzündungen wandert dieses Eisen oft aus dem Blut in verschiedene Gewebe und ist dann für die Blutneubildung nicht verfügbar. Versucht man diesen Mangel durch vermehrte Eisenzufuhr (in Tablettenform) auszugleichen, dann wandert auch dieses Eisen ins Gewebe und wird der Blutbildung entzogen. Man behandelt diese Form der Blutarmut (Anämie) deshalb am besten, indem man die rheumatische Entzündung durch Medikamente bekämpft.

    Wenn eine Anämie auftritt und ein Eisenmangel nachgewiesen wird, dann muss man auch an die Möglichkeit denken, dass diese durch einen ständigen, sonst unbemerkten Blutverlust ausgelöst wurde. Ein solcher Blutverlust kann z.B. durch ein schmerzloses Magengeschwür bedingt sein, aus dem es immer wieder etwas blutet. Mit dem Blut geht dem Körper auch Eisen verloren. Ein Eisenverlust nach außen (durch eine Blutung) und ein Eisenverlust nach innen (durch Verlagerung des Eisens in Gewebe) lässt sich durch spezielle Laboruntersuchungen unterscheiden. Im Zweifelsfall wird man aber z.B. eine Magenblutung durch eine Magenspiegelung ausschliessen.

  6. Vasculitis:
    Manchmal betrifft die rheumatische Entzündung auch Blutgefäße (sog. Vasculitis). Typischerweise kommt es dadurch zu Verschlüssen von Gefäßen im Bereich der Haut. Typische Folgen sind kleine flohstichartige schwarze Verfärbungen an den Fingerkuppen (Nekrosen), Hautauschläge an den Beinen oder geschwürige Hautveränderungen ("offene Beine"). Solche Veränderungen treten meist nur bei schweren Verlaufsformen der Erkrankung auf und sind selten. Sie bessern sich durch eine intensivere Behandlung der Grunderkrankung Polyarthritis.

  7. Beteiligung innerer Organe:
    Eine Beteiligung innerer Organe bei der chronischen Polyarthritis des Erwachsenen ist selten. Es kann in Einzelfällen zu einer Rippenfellentzündung kommen mit einer Flüssigkeitsansammlung im Rippenfellraum (sog. Pleura-Erguß). Eine weitere sehr seltene Erscheinung ist das Auftreten von sogenannten Rheuma-Knoten in der Lunge. Diese machen normalerweise keine Beschwerden und werden meist zufällig bei einer Röntgenuntersuchung der Lunge entdeckt. Auf den ersten Blick unterscheiden sich diese Rheumaknoten nicht von bösartigen Tumoren der Lunge. Die Diagnose "Rheuma-Knoten der Lunge" kann daher meist erst nach weiteren Untersuchungen (Lungenspiegelung, Gewebsproben) mit der nötigen Sicherheit gestellt werden. Weitere mögliche Organe, die im Rahmen einer chronischen Polyarthritis betroffen sein können, sind das Herz und die Leber. Diese Organveränderungen (Entzündung) sind bis auf einzelne Ausnahmen nur durch empfindliche Untersuchungsmethoden nachzuweisen, ihr Ausmaß ist in aller Regel sehr gering und hat für die Betroffenen praktisch keine Konsequenzen.

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Eine Krankheit verändert das Leben

Die Diagnose "chronische Polyarthritis" stellt für Betroffenen oft eine große Herausforderung für ihre Lebensführung dar. Wer immer wieder unter Schmerzen und Bewegungseinschränkungen der Gelenke leidet, muss dies auch seelisch verkraften. Angehörige und Freunde, die Kollegen am Arbeitsplatz, verstehen Sie, was die Krankheit für den Betroffenen bedeutet? Kann der bisherige Beruf weiter ausgeübt werden? Droht Pflegebedürftigkeit? Und nicht zuletzt, wie wird man mit der Diagnose einer chronischen, d.h. in letzter Konsequenz nicht heilbaren Krankheit fertig.

Alle diese Fragen und Herausforderungen stellen die Betroffenen vor neue Aufgaben. Ein wichtiger Schritt ist der, sich mit der Krankheit, ihren möglichen Folgen und therapeutischen Möglichkeiten selber auseinanderzusetzen. Je besser man als Betroffener informiert ist, umso mehr kann man selber zum Erfolg der Therapie beitragen. Vieles, was auf den ersten Blick vielleicht bedrohlich oder unbeherrschbar erscheint (z.B. Medikamente), wird dadurch klarer und faßbarer. Ärzte reden in diesem Zusammenhang auch von "Self-Management". Das heisst, als Betroffener soll man seine Erkrankung auch selber "managen" und beherrschen, sie dadurch auch besser bewältigen. Man gewinnt dadurch auch wieder ein Stück Freiheit zurück, der Arzt ist in diesem Vorgang Partner. Möglichkeiten zur Information gibt es verschiedene: Bücher, Internet, Selbsthilfegruppen. Selbsthilfegruppen (Deutsche Rheuma-Liga) bieten darüber hinaus den Vorteil, dass man auf Menschen trifft, die die Erkrankung aus eigener Erfahrung kennen, mit denen man sich austauschen kann. Sie bieten auch die Chance, Einsamkeit und Isolation vorzubeugen.

Blick nach innen - Rheuma und die Seele

Wer unter Schmerzen leidet, sich vielleicht nicht mehr so frei bewegen kann wie früher, der leidet auch seelisch. Umgekehrt können ungelöste seelische Probleme ein Hindernis sein, um mit der Krankheit und möglichen Schmerzen umzugehen. Eine grosse Hilfe kann hier in der Rheuma-Therapie die psychologische Beratung geben. Sie gibt Hilfestellungen sowohl bei der Krankheitsbewältigung als auch bei der Schmerzbehandlung (z.B. durch Entspannungsübungen). Psychologische Beratung hilft auch dort, wo es durch die Erkrankung zu Konflikten in der Familie oder unter Freunden kommt.

Blick nach außen - Soziale Fragen

Für betroffene Patienten stellt sich häufig auch die Frage nach sozialen Folgen der Erkrankung. Dies betrifft eine möglicherweise notwendige Umschulung im Beruf, Fragen zu langdauernder Arbeitsunfähigkeit durch Krankheit, Erwerbsunfähigkeit oder bei älteren Menschen Hilfen zur Pflege. Zu einer rheumatologischen Behandlung gehört daher meist auch eine Beratung durch einen Sozialarbeiter(in).

Chronische Polyarthritis - der Weg in den Rollstuhl?

Viele Menschen, bei denen erstmals die Diagnose einer chronischen Polyarthritis gestellt wird, fürchten, dass die Krankheit sie über kurz oder lang pflegebedürftig macht. Glücklicherweise verläuft die Erkrankung in vielen Fällen so gutartig, dass dies überhaupt nicht zu erwarten ist. Bei den heutigen therapeutischen Möglichkeiten ist eine Pflegebedürftigkeit infolge chronischer Polyarthritis eine Seltenheit. Häufig genug liegt der Grund für eine solche Entwicklung dann auch darin, dass die Erkrankung nicht konsequent behandelt wurde.

Die überwiegende Mehrheit der an chronischer Polyarthritis leidenden Menschen wird durch die Erkrankung sicher nicht pflegebedürftig. Man kann aber nicht ausschliessen, dass es durch Gelenkentzündungen zu einer bleibenden Funktionsminderung einzelner Gelenke oder zu einem vorzeitigen Gelenkverschleiss kommt. In solchen Fällen kann die Funktion betroffener Gelenke oft aber durch chirurgische Eingriffe (z.B. künstliche Gelenke) wieder hergestellt oder wenigstens doch deutlich gebessert werden.

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Die Untersuchung beim Arzt

Die Diagnose einer chronischen Polyarthritis wird häufig bereits vom Hausarzt gestellt oder zumindest vermutet. Häufig ist dazu aber auch die Hilfe eines Rheumatologen (internistischer Rheumatologe) erforderlich. Diese legt dann auch fest, wie die Behandlung der Erkrankung aussehen soll. Notwendige routinemäßige Kontrolluntersuchungen werden dann meist vom Hausarzt durchgeführt, bei besonderen Fragestellungen auch wieder beim Rheumatologen. Für die Diagnose einer rheumatischen Erkrankung ebenso wie für die Kontrolluntersuchungen ist der Arzt wesentlich auch auf die Schilderung des Patienten angewiesen. Erst aufgrund dieser Angaben und der körperlichen Untersuchung kann er entscheiden, ob weitere Untersuchungen (z.B. Blutuntersuchungen oder Röntgen) erforderlich ist.

Schilderung der Beschwerden

Oft sind es erst die genauen Angaben des Patienten, die dem Rheumatologen eine richtige Diagnose erlauben. Dazu gehört insbesondere die Frage, welche Gelenke schmerzen, welche Gelenke geschwollen sind und ob eine morgendliche Steifigkeit von Gelenken besteht (Dauer?). Diese Angaben ermöglichen oft bereits auch eine Aussage zum Ausmass der rheumatischen Entzündung ("Krankheitsaktivität"). Wichtig ist oft auch, inwieweit Schmerz und Schwellung bereits zu einer Funktionsstörung betroffener Gelenke geführt haben und inwieweit sich diese auf Aktivitäten des Alltags auswirken (z.B. Probleme bei körperlichen Arbeiten, beim An- und Auskleiden, bei der Körperpflege). Die Frage nach der sozialen Situation (Familie, Beruf etc.) ist Voraussetzung für eine Einschätzung des weiteren Beratungsbedarfes (z.B. berufliche Beratung, Rentenberatung, Rehabilitation). Zur Erfassung der Beschwerden können zusätzlich zum Arztgespräch auch spezielle Fragebögen eingesetzt werden.

Bei Patienten, die bereits wegen einer rheumatischen Erkrankung behandelt werden, dient das Gespräch mit dem Rheumatologen natürlich auch der Therapiekontrolle. Ist eine Besserung eingetreten? Wurden Nebenwirkungen beobachtet?

Andere Krankheiten

Die Kenntnis anderer Krankheiten des Patienten ist aus verschiedenen Gründen wichtig. So können Zusammenhänge zwischen diesen Krankheiten und einer rheumatischen Erkrankung bestehen (z.B. Schuppenflechte, chronische Darmentzündungen, Augenentzündungen). Auch bei der Auswahl von Medikamenten müssen oft bestehenden Krankheiten berücksichtigt werden (z.B. vorbestehende Erkrankungen von Leber und Niere. Aus diesem Grunde ist es auch wichtig, dass der Rheumatologe weiss, welche anderen Medikamente regelmäßig eingenommen werden. Schliesslich kann er bei Kenntnis vorbestehender Krankheiten entsprechende Symptome besser einordnen (z.B. Brustschmerzen bei bekannter Durchblutungsstörung der Herzkranzgefäße).

Körperliche Untersuchung

Bei der körperlichen Untersuchung untersucht der Rheumatologe, welche Gelenke geschwollen sind und ob sie auf Druck mit Schmerz reagieren. Dies hilft ihm, die Aktivität der Polyarthritis einzuschätzen. Im Vergleich zu anderen Untersuchungen kann er so auch beurteilen, ob eine Änderung eingetreten ist. Darüberhinaus prüft er auch, ob Gelenke in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt oder durch Entzündungen geschädigt sind. Aufgrund dieser Untersuchungen kann über die Notwendigkeit einer krankengymnastischen oder physikalischen Therapie (Anwendungen) entschieden werden. Schliesslich wird damit auch beurteilt, ob möglicherweise operative Eingriffe an Gelenken notwendig sind.

Zusätzlich zu der Untersuchung der Gelenke erfolgt oft auch eine allgemeine körperliche Untersuchung (Lunge, Herz, Bauch). Dadurch können erste Hinweise auf andere, bisher nicht bekannte innere Erkrankungen gewonnen werden. Ausserdem lassen sich so z.B. auch Nebenwirkungen von Medikamenten feststellen (z.B. Hautausschlag).

Laboruntersuchungen

Laboruntersuchungen unterstützen den Rheumatologen bei der Diagnose einer chronischen Polyarthritis und bei der Kontrolle der Therapie. Von Bedeutung sind insbesondere folgende Untersuchungen:

  1. Blutsenkung (BSG oder BKS): Bei einer Entzündung findet man diesen Wert erhöht. Normalerweise beträgt der Wert der Blutsenkung bis ca. 15/30 mm. Ein Anstieg ist ein Hinweis auf eine Entzündung. Je höher die Blutsenkung ist, umso ausgeprägter ist wahrscheinlich auch die Entzündung. Ist eine rheumatische Entzündung (chronische Polyarthritis) bekannt, dann hilft die Höhe dieses Laborwertes bei der Einschätzung der Krankheitsaktivität.

  2. C-reaktives Protein (CRP): Diese Wert hat eine ähnliche Bedeutung wie die Blutsenkung. Auch hier zeigt eine Erhöhung an, dass irgendwo im Körper wahrscheinlich ein entzündlicher Prozeß vorliegt.

  3. Rheumafaktor (RF): Dieser Blutwert ist bei vielen Menschen mit chronischer Polyarthritis nachweisbar. Man spricht dann von einer "seropositiven" Polyarthritis. Eine Polyarthritis kann aber auch ohne Nachweis der Rheumafaktors vorliegen. Entsprechend nennt man diese Form "seronegativ". Man muss auch wissen, dass bis zu 10 % der Menschen, die nicht an Polyarthritis erkranken, einen Rheumafaktornachweis im Blut ("Rheumafaktor positiv") haben. Ohne Nachweis entsprechener Beschwerden und Gelenkveränderungen (Gelenkschwellung, Gelenkschmerz) beweist der Rheumafaktor an sich also nicht das Vorliegen einer chronischen Polyarthritis.

  4. Andere Blut- und Urinuntersuchungen: Diese können zunächst einmal dazu dienen, die chronische Polyarthritis von anderen rheumatischen Erkrankungen abzugrenzen (z.B. erhöhte Harnsäurewerte bei Gicht). Ausserdem geben sie Hinweise auf mögliche Begleiterscheinungen einer Polyarthritis (z.B. Anämie). Schliesslich dienen sie dem frühzeitigen Nachweis von Medikamenten-Nebenwirkungen (Blutbild, Leber- und Nierenwerte, Urinuntersuchung).

Röntgen:

Röntgenbilder der betroffenen Gelenke zeigen, ob die rheumatische Entzündung bereits zu einer Zerstörung von Knochen geführt hat und wie ausgeprägt diese Folgen sind. Sie zeigen auch, ob andere Ursachen für Gelenkschmerzen vorliegen (z.B. Gelenkverschleiß - Arthrose). Vergleicht man im Abstand von 1-2 Jahren angefertigte Röntgenbilder, dann erhält man auch Aufschlüsse über ein mögliches Fortschreiten von Gelenkschäden. Dies gibt auch Hinweise auf die Wirksamkeit der Therapie. Schließlich benötigt man Röntgenaufnahmen auch, wenn sich die Frage eines operativen Eingriffes an Gelenken stellt.

Gelenk-Ultraschall (Sonografie):

Mittels Sonografie können Gelenkschwellungen und Flüssigkeitsansammlungen in Gelenken (Gelenkerguß) gut dargestellt werden. Sie hilft auch bei der Entscheidung, ob Gelenkpunktionen notwendig sind.

Gelenkszintigrafie:

Die Gelenkszintigrafie ist ein spezielle Untersuchung. Dabei wird ein schwach radioaktiver Stoff gespritzt, der sich im Knochen verteilt. Dort wo Gelenkentzündungen vorliegen, sammelt sich dieser Stoff vermehrt an. Macht man anschließend eine Aufnahme des Körpers mit einer strahlenempfindlichen Kamera, dann sieht man das Skelett gleich einem Schattenbild. Gelenkentzündungen bilden sich auf diesem Bild dann verstärkt (je nach Aufnahmetechnik dunkler oder heller oder in einer anderen Farbe) dar. Die Gelenkszintigrafie gibt somit einen Hinweis darauf, ob Gelenkentzündungen vorliegen und wenn ja, wo. Man setzt diese Untersuchung bevorzugt dann ein, wenn keine eindeutigen Gelenkschwellungen nachweisbar sind, man aber aufgrund er typischen Beschwerden (Gelenkschmerzen, Gelenksteife) eine Polyarthritis vermutet.

Neben diesen Untersuchungen werden bei speziellen Fragestellungen auch andere diagnostische Verfahren (z.B. Computertomografie, Kernspintomografie) eingesetzt. Die individuelle Auswahl von Untersuchungsverfahren und die Aufklärung darüber liegt in jedem Fall in der Verantwortung der behandelnden Ärzte.

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Die Therapie: nicht nur Medikamente

Neben Gelenkschmerz, Gelenkschwellungen und eingeschränkter Beweglichkeit betroffener Gelenke betrifft die chronische Polyarthritis auch verschiedenst Aspekte der Lebensführung. Entsprechend kann sich die Behandlung nicht nur auf Medikamente beschränken, sondern schliesst oft auch andere Bereiche ein, z.B. Krankengymnastik, Operationen, Psychologie oder soziale Beratung.

Medikamente

Medikamente werden für verschiedene Zwecke gegeben:

  1. Schmerzmittel: Ein wichtiges Symptom der Polyarthritis ist der Schmerz. Die meisten als Antirheumatika bezeichneten Medikamente dienen seiner Behandlung. Antirheumatika (auch als cortisonfreie Antirheumatika oder NSAR = Nicht-steroidale-Anti-Rheumatika) bezeichnet wirken gegen den Schmerz vorwiegend an seinem Entstehungsort im entzündeten Gelenk. Sie haben neben der schmerzstillenden auch eine geringe entzündungshemmende Wirkung. Diese Medikamente wirken meist rasch (innerhalb 30 min) und halten in ihrer Wirkung meist 4-6 h, bei bestimmten Präparaten auch länger an. Tritt der Schmerz nur gelegentlich auf, dann können diese Medikamente auch "nach Bedarf" genommen werden, d.h. nur dann, wenn Schmerzen auftreten (bis zur vom Arzt erlaubten Höchstdosis). Häufig eingesetzte Antirheumatika sind z.B. Diclofenac, Voltaren®, Ibuprofen®. Eine wichtige Nebenwirkung können Reizungen der Magenschleimhaut bis hin zu Magengeschwüren sein. Deshalb kombiniert man diese Therapie bei besonders gefährdeten Patienten (z.B. Alter über 60 Jahre, gleichzeitige Cortisontherapie, bereits früher Behandlung wegen Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür) mit sogenannten Magenschutzpräparaten. Eine mögliche Alternative sind sogenannte "COX-2-Hemmer", dies sind Antirheumatika mit einem nur noch sehr geringen Risiko für das Auftreten von Geschwüren (z.B. Celebrex®, Vioxx®).

    Falls durch Antirheumatika alleine eine ausreichende Schmerzstillung nicht möglich ist, kann man diese mit sogenannten zentral wirksamen Schmerzmitteln (zentral wirksame Analgetika) kombinieren. Diese Medikamente bekämpfen den Schmerz nicht an der Stelle seiner Entstehung (=entzündetes Gelenk), sondern dort wo er empfunden wird, nämlich im Gehirn. Eine relativ häufige Nebenwirkung dieser Medikamente ist ein Einschränkung der Reaktionsfähigkeit und Konzentration. Die Gefahr einer Abhängigkeit - wie oft gemeint - ist bei diesen Medikamenten trotz ihrer chemischen Verwandtschaft zum Morphium sehr gering.

  2. Basistherapie: Diese Medikamente (z.B. Methotrexat®, Arava®, Azulfidine®) verfolgen ein anderes Ziel wie die Schmerzmedikamente. Man führt diese Therapie durch, um die rheumatische Entzündung selber zu unterdrücken. Man erreicht dadurch nicht nur einen Rückgang von Schmerz und Schwellung. Durch die Unterdrückung des entzündlichen Prozesses verhindert man auch, dass dieser zu einer Schädigung der Gelenkstrukturen führt. Wegen dieses günstigen Effektes auf den Verlauf der Erkrankung nennt man die Basistherapeutika auch "krankheitsmodifizierend". Eine besondere Eigenart dieser Stoffe ist, dass sie ihre Wirkung oft erst nach mehreren Wochen entfalten. Ist die Therapie erfolgreich, dann muss sie oft über eine längere Zeit (mehrere Jahre) fortgeführt werden. Um mögliche Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen, werden bei der Durchführung einer Basistherapie regelmäßige ärztliche Kontrollen und Kontrollen der Blutwerte (Blutbild, Leberwerte, Nierenwerte) empfohlen.

  3. Cortison: Cortison ist ein Hormon, das natürlicherweise im Körper vorkommt. Bei der Behandlung rheumatischer Entzündungen nutzt man Cortison wegen seiner entzündungshemmenden Wirkung. Ein großer Vorteil des Medikamentes ist seine schnelle Wirkung. Nachteilig ist, dass es unter Cortison zu zahlreichen Nebenwirkungen kommen kann. Am bekanntesten sind Gewichtszunahme und Knochenabbau (Osteoporose). Daneben sind aber auch noch andere zahlreiche Nebenwirkungen bekannt, z.B. frühzeitige Entwicklung von grauem oder grünem Star, hoher Blutdruck. Diese Nebenwirkungen treten vor allem dann auf, wenn man Cortison über längere Zeit in hohen Dosen einnimmt. Man ist deshalb bemüht, das Medikament so kurz wie möglich und in so geringer Dosis wie möglich einzusetzen. Darüber hinaus kann man den genannten Nebenwirkungen z.T. entgegenwirken, z.B. durch die vorsorgliche (prophylaktische) Behandlung einer möglichen Osteoporose.

    Wegen der möglichen Nebenwirkungen haben viele Betroffene große Angst vor einer Cortisontherapie. Tatsächlich muss man dieses Risiko immer gegen den möglichen Nutzen abwägen. Das Medikament kann für den Einzelnen ein Segen sein. Es darf aber sicher nicht kritiklos und sorglos eingesetzt werden.

    Cortison wird bei der Behandlung der chronischen Polyarthritis häufig mit einer Basistherapie kombiniert. So kann man mit Cortison die Zeit überbrücken, die bis zum Einsetzen der Wirkung eines Basismedikamentes vergeht (bis zu 3 Monaten). Andererseits setzt man Basistherapeutika auch ein, um mit möglichst wenig oder gar keinem Cortison auskommen zu müssen.

    Ein wichtiges Prinzip bei der Cortisontherapie ist auch, dass man das Medikament nicht plötzlich absetzt, sondern langsam "ausschleicht". D.h. man reduziert schrittweise die Dosis, weil sonst leicht ein neuer Krankheitschub ausgelöst wird.

Krankengymnastik, Ergotherapie und physikalische Behandlung

Gelenkentzündungen führen meist neben Schmerz und Schwellung zu einer Funktionseinschränkung der betroffenen Gelenke. Oft gehen damit auch Störungen der Muskelkraft und Gelenkkapselschrumpfungen einher. Die Krankengymnastik begegnet diese Störungen auf verschiedene Weise:

Krankengymnasten bedienen sich dazu verschiedener, z.T. sehr spezialisierter Techniken wie z.B. manuelle Therapie, PNF (propriozeptive neuromuskuläre Faszilation), kraniosakrale Therapie. Ein wichtiges Ziel der Krankengymnastik ist oft auch, den Patienten anzuleiten, welche Übungen er selber zu Hause durchführen kann.

Anwendungen (physikalische Therapie) unterstützen die Arbeit des Krankengymnasten und bereiten diese oft vor. Sie dienen verschiedenen Zwecken:

Zum Einsatz kommen verschiedene Techniken. Diese kann man zwei großen Gruppen zuordnen:

Ergotherapie heisst in der wörtlichen Übersetzung "Arbeits-" oder "Beschäftigungs" - Therapie".Dem Selbstverständnis der Ergotherapie entspricht es aber eher, wenn man von einer Therapie mit dem Ziel einer Erhaltung der körperlichen Selbstständigkeit spricht. Die Ergotherapie bedient sich dazu zahlreicher Werkzeuge:

Gelenkpunktionen

Wenn einzelne Gelenke besonders geschwollen sind oder ein Gelenkerguß besteht, dann kann man im Einzelfall zusätzlich zur Behandlung der Entzündung mit entzündungshemmenden Medikamenten eine Gelenkpunktion durchführen. Dabei wird bei einem Gelenkerguß Gelenkflüssigkeit abgezogen, die weiter untersucht werden kann. Zur Behandlung injiziert man dann in das Gelenk häufig Cortison. Der Vorteil dieses Verfahrens ist, dass man am entzündeten Gelenk die entzündungshemmende Wirkung von Cortison nutzt, ohne dass Cortison in größeren Mengen in den Körper gelangt. Bei dieser Methode sind deshalb Nebenwirkungen des Cortisons kaum zu fürchten. Man muss allerdings bedenken, dass es bei einer Gelenkpunktion selten zu einer Einschleppung von Bakterien in das Gelenk kommen kann, die dort zu einer bakteriellen Entzündung führen. Bei entsprechender Vorsicht (Desinfektion der Haut, steriles Arbeiten) ist dieses Risiko allerdings sehr gering. Dennoch empfiehlt man, ein Gelenk nicht mehr wie 3 mal im Jahr zu punktieren.

Ausser Cortison kann man in entzündete Gelenke auch radioaktive Substanzen spritzen (sog. "Radio-Synoviorthese"). Diese führen zu einer Verödung der entzündeten Gelenkinnenhaut und unterdrücken damit im betreffenden Gelenk ebenfalls die Entzündung. Die Strahlenbelastung bei diesem Eingriff ist sehr gering. Vorteilhaft ist, dass man durch die Radiosynoviorthese oft länger dauernde Erfolge als bei einer Cortisoninjektion hat.

Operationen:

Man eine chronische Polyarthritis nicht "wegoperieren". Dennoch können operative Gelenkeingriffe in bestimmten Situationen hilfreich sein:

Auf die Operation von Gelenken bei chronischer Polyarthritis sind sowohl Chirurgen (Handchirurgen) als auch Orthopäden (Rheuma-Orthopäden) spezialisiert.

Psychologie und Sozialberatung

Die Psychologie dient dem an Polyarthritis Erkrankten auf zweierlei Weise. Sie gibt im Hilfe bei der Bewältigung von Schmerzen und seiner Erkrankung. Andererseits berät sie, wenn es infolge der Erkrankung zu persönlichen oder familiären Konflikten kommt.

Sozialarbeiter beraten zu sozialen Fragen, z.B.:

Bitte beachten Sie:
Die Erkenntnisse der Medizin unterliegen einem ständigen Wandel durch Forschung und klinische Erfahrung. Bei der Erstellung dieser Information wurde große Sorgfalt darauf verwendet, dass die gemachten Aussagen dem derzeitigen Wissensstand entsprechen. Sie sollen das Verständnis für rheumatische Erkrankungen erleichtern, können eine Aufklärung durch den Arzt aber nicht ersetzen.

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