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Man bezeichnet die Erkrankung als chronisch, weil sie in der Regel nicht ausheilt, sondern über Jahre, manchmal lebenslang fortbesteht. Dies bedeutet, dass man eine chronische Polyarthritis nicht in dem Sinne heilen kann, dass man die Erkrankung gewissermassen rückgängig macht. Man kann aber ein Fortschreiten durch die Therapie aufhalten. Dazu kann man auch als Betroffener viel beitragen.
Anders als es zunächst erscheinen mag, kommt es bei einer Gelenkentzündung (Arthritis) primär nicht zu einer Entzündung der Gelenkknochen, sondern der das Gelenk umhüllenden und ernährenden Gelenkinnenhaut. Diese heisst in der medizinischen Fachsprache Synovialis. Von diesem Begriff leiten sich andere Fachbegriffe ab, z.B. Radiosynoviorthese, Synovektomie. Aus diesem Grunde wird anstelle des Begriffes Arthritis gerne auch von einer Synovialitis gesprochen (die Endung "itis" steht für Entzündung).
Die entzündete Gelenkinnenhaut schwillt an, ist überwärmt und schmerzt. Man sieht dies oft schon von aussen, z.B. an den Fingergelenken. Oft kommt es auch zu einer vermehrten Bildung von Gelenkflüssigkeit (z.B. am Knie), die ebenfalls zu einer Anschwellung der Gelenke beiträgt. Man nennt dies einen Gelenkerguß. Die Entzündung der Gelenke führt durch Schmerz und Schwellung zu Bewegungseinschränkungen. Gelingt es nicht, die Entzündung aufzuhalten, dann führt diese auf Dauer auch zu einer Schädigung und Zerstörung der Gelenkknochen. Die Folge sind bleibende Schäden der Gelenke, die oft nur noch durch Operationen beseitigt werden können (z.B. künstliche Gelenke). Es ist ein wichtiges Ziel bei der Behandlung einer Arthritis, die Entzündung soweit zu beherrschen, dass solche Gelenkschäden möglichst wenig oder garnicht auftreten.
Grundsätzlich kann eine Polyarthritis an allen Gelenken des Körpers auftreten. Dabei kann der Ort der Entzündung im zeitlichen Verlauf wechseln, die Entzündung von Gelenk zu Gelenk springen. Ebenso gibt es Menschen, bei denen die Erkrankung auf bestimmte Gelenke beschränkt bleibt. Die Gelenkentzündungen können symmetrisch auftreten (z.B. an den Fingergrund- und mittelgelenken) oder auch asymmetrisch und irregulär.
Tatsächlich stellt sich die Krankheit von Mensch zu Mensch und auch bei einem einzelnen Betroffenen im Zeitablauf oft sehr unterschiedlich dar. Dies gilt auch für die Ausprägung einer Polyarthritis. Die Erkrankung kann sehr milde verlaufen, manchmal aber auch sehr stark ausgeprägt sein.
Viele Menschen, die an einer chronischen Polyarthritis erkranken, fragen oft: "Woher kommt die Krankheit? Warum erkranke gerade ich?". Nicht selten steht dahinter die Hoffnung, eine Ursache für die Krankheit zu finden, die man gerne beseitigen möchte, um wieder gesund zu werden. So werden Einflüsse aus der Umwelt (z.B. Kälte und Feuchtigkeit, Strahlen) vermutet, oder die Krankheit wird als Folge schwerer körperlicher Arbeit, schlechter Ernährung oder anderer körperlicher Beschwerden (z.B. entzündete Zähne, Entzündungsherde im Körper) gedeutet. Eine wichtige Frage ist auch die, ob eine chronische Polyarthritis vererbbar ist. Viele Betroffene fürchten, die Erkrankung an Ihre Kinder weiterzugeben.
Patienten mit rheumatischen Erkrankungen berichten oft, dass ihre Beschwerden bei bestimmten Wetterlagen (z.B. feucht-kaltes Wetter) zunehmen, dagegen z.B. bei warmer, sonniger Witterung gebessert sind. Manche können einen Wetterwechsel regelrecht in ihren Gelenken "fühlen". Daraus schliessen manche Menschen, dass solche Witterungsbedingungen (z.B. naß-kaltes Wetter) auch die Ursache der chronischen Polyarthritis sein. Dies kann man aber aufgrund des heutigen Wissenstandes ausschließen. Witterungsbedingungen haben sicher einen Einfluß auf das Ausmaß der Beschwerden, eine chronische Polyarthritis wird aber dadurch nicht verursacht.
Noch weniger richtig ist es, einen Zusammenhang zwischen schwerer körperlicher Arbeit und einer chronischen Polyarthritis herzustellen. Natürlich ist es auch hier so, dass eine vermehrte Belastung erkrankter Gelenke zu einer Zunahme der Gelenkschmerzen führen kann. Andere, von der chronischen Polyarthritis nicht betroffene Gelenke, sind aber normal belastbar.
Eine wichtige Frage ist sicher die nach dem Zusammenhang zwischen Ernährung und chronischer Polyarthritis. Auch hier gilt: Die Erkrankung wird nach dem heutigen Stand der Wissenschaft nicht durch eine falsche Ernährung ausgelöst. Daher kann man eine chronische Polyarthritis auch nicht durch eine Ernährungsumstellung heilen. Man weiss aber, dass die Ernährung einen Einfluß auf das Ausmass der Beschwerden hat. In der Tat gibt es gute Argumente dafür, dass man durch eine Ernährungsumstellung bei der chronischen Polyarthritis Schmerzmittel einsparen kann (vgl. auch Rheuma und Ernährung).
Tatsächlich gibt es gelegentlich Menschen, die berichten, dass die chronische Polyarthritis bei Ihnen nach einem seelisch erschütternden Erlebnis, z.B. dem Tod eines nahen Angehörigen, auftrat. Man kann davon ausgehen, dass bei diesen Menschen solche Erlebnisse zwar nicht ursächlich für die Erkrankung waren, aber offensichtlich doch den Zeitpunkt des Erkrankungsbeginnes beeinflußt haben. Sie wären wahrscheinlich auch ohne die seelische Erschütterung erkrankt, nur dann zu einem anderen, späteren Zeitpunkt. Wie andere äußere Faktoren, so können seelische Vorgänge allerdings durchaus einen deutlichen Einfluß auf die Schmerzempfindung und auf die Fähigkeit haben, mit der Erkrankung umzugehen. Ebenso leicht ist nachzuvollziehen, dass eine chronische Erkrankung, die mit Schmerzen und Bewegungseinschränkungen einhergeht, nicht ohne Einfluß auf das seelische Leben bleibt. Die psychologische Betreuung von Rheumakranken umfaßt beides: die Hilfe bei der Schmerz- und Krankheitsbewältigung ebenso wie die Unterstützung bei krankheitsbedingten seelischen Problemen.
Diese Frage stellen sich viele Betroffene. Sie befürchten, die chronische Polyarthritis könne ähnlich wie andere Erbkrankheiten auf ihre Kinder übertragen werden. Es gibt in der Tat Familien, in denen die Erkrankung häufiger auftritt. Genauso gut kann eine Polyarthritis aber auch bei Menschen auftreten, in deren Verwandtschaft niemand eine rheumatische Erkrankung hat. Ähnliches beobachtet man übrigens auch bei vielen anderen Erkrankungen. Man muss dies aber klar von richtigen Erbkrankheiten trennen, bei denen die Krankheit quasi gesetzmäßig nach bestimmten Vererbungsregeln auf die Nachkommen übertragen wird. Dies ist bei der chronischen Polyarthritis sicher nicht der Fall. Ein an Polyarthritis Erkrankter "vererbt" diese Erkrankung also nicht. Natürlich schließt dies nicht mit letzter Sicherheit aus, das auch eines seiner Kinder an einer Polyarthritis erkranken kann.
Obwohl es zahlreiche Theorien dazu gibt, konnte bisher keine eindeutige Ursache der chronischen Polyarthritis gefunden werden. Man vermutet sogar, dass verschiedenste Bedingungen in verschiedenen Konstellationen die Erkrankung auslösen können. Eine einzige Ursache (z.B. ein Virus oder eine Bakterie) wird man wahrscheinlich nie identifizieren können. Für die Betroffenen bedeutet dies einerseits, dass eine ursächliche Behandlung der Erkrankung in naher Zukunft nicht zur Verfügung stehen wird (wobei die Behandlungsmöglichkeiten immer besser werden). Andererseits darf man eine chronische Polyarthritis als eine unglückliche Schicksalsfügung betrachten, für deren Entstehung man keine Schuld trägt. Wenn man an chronischer Polyarthritis erkrankt, so hat man sicher nichts "falsch" gemacht.
Wenn man auch die eigentlichen Ursachen der Erkrankung noch nicht kennt, so hat man doch inzwischen recht genaue Vorstellungen davon, was genau im Körper bei einer rheumatischen Entzündung geschieht. Die chronische Polyarthritis wird zu den sogenannten Autoimmunerkrankungen gezählt. Normalerweise funktioniert das Immunsystem als körpereigene Abwehr so, dass es sich gegen den Körper schädigende Einflüsse richtet, z.B. Bakterien, Viren oder auch Tumorzellen. Ein mögliches äußeres Zeichen dieser Auseinandersetzung sind Entzündungen. Bei Autoimmunerkrankungen kommt es aus meist ungeklärten Gründen zu einer Fehlfunktion des Immunsystems. Diese führt dazu, dass sich das Immunsystem gegen körpereigene Strukturen richtet und dort zu Entzündungen führt. Bei der chronischen Polyarthritis sind diese typischerweise in den Gelenken lokalisiert.
Die Polyarthritis führt durch die Entzündung von Gelenken zu Schmerzen, Gelenkschwellungen und einer Steifigkeit betroffener Gelenke. Typischerweise ist dieses Steifigkeitsgefühl in den Morgenstunden besonders ausgeprägt. Im typischen Fall hält es mindestens 1/2 h bis zu mehreren Stunden an. Je stärker die Aktivität der Erkrankung, d.h. je ausgeprägter die Entzündungen, desto mehr Gelenke sind von Schmerz und Schwellung betroffen und umso ausgeprägter ist die morgendliche Steifigkeit der Gelenke. Den Erfolg einer entzündungshemmenden Behandlung der Polyarthritis (z.B. durch sogenannte Basismedikamente) kann man sehr gut am Rückgang dieser Symptome messen.
Neben Schmerz und Schwellung der Gelenke sind die betroffenen Patienten meist auch durch eine Funktionseinschränkung erkrankter Gelenke betroffen. Eine besondere Gefahr liegt daran, dass die rheumatische Gelenkentzündung auf Dauer, d.h. über Monate bis Jahre, zu einer Zerstörung der gelenkbildenden Knochen führen kann. Dann treten auch zunehmende Deformierungen der Gelenke und irreversible Bewegungseinschränkungen auf. Es ist deshalb ein wichtiges Ziel vor allem der Therapie mit Medikamenten, die die Aktivität der Erkrankung bzw. das Ausmass der Entzündung so weit wie möglich zu mindern.
Neben den Gelenken sind oft auch andere Strukturen des Bewegungsapparates betroffen. Es kann ebenso zu rheumatischen Entzündungen von Sehnenscheiden kommen, die im Extremfall zu einem Abriß von Sehnen führen. Schließlich können zahlreiche Beschwerden im Bereich gelenknaher Weichteile auftreten, insbesondere Schmerzen an Sehnen sowie der Muskulatur. Man spricht hier von weichteilrheumatischen Beschwerden. Letztere sind oft durch Medikamente alleine nicht ausreichend zu beherrschen und bedürfen dann einer krankengymnastischen Behandlung bzw. Anwendungen (z.B. Wärme).
Viel seltener kommt es im Rahmen der chronischen Polyarthritis zu einer Entzündung von Nerven (Polyneuropathie), die sich ebenfalls in Mißempfindungen wie Kribbeln und elektrisierende Schmerzen äußert. Die Diagnose einer Polyneuropathie wird durch den Neurologen gestellt.
Wenn eine Anämie auftritt und ein Eisenmangel nachgewiesen wird, dann muss man auch an die Möglichkeit denken, dass diese durch einen ständigen, sonst unbemerkten Blutverlust ausgelöst wurde. Ein solcher Blutverlust kann z.B. durch ein schmerzloses Magengeschwür bedingt sein, aus dem es immer wieder etwas blutet. Mit dem Blut geht dem Körper auch Eisen verloren. Ein Eisenverlust nach außen (durch eine Blutung) und ein Eisenverlust nach innen (durch Verlagerung des Eisens in Gewebe) lässt sich durch spezielle Laboruntersuchungen unterscheiden. Im Zweifelsfall wird man aber z.B. eine Magenblutung durch eine Magenspiegelung ausschliessen.
Die Diagnose "chronische Polyarthritis" stellt für Betroffenen oft eine große Herausforderung für ihre Lebensführung dar. Wer immer wieder unter Schmerzen und Bewegungseinschränkungen der Gelenke leidet, muss dies auch seelisch verkraften. Angehörige und Freunde, die Kollegen am Arbeitsplatz, verstehen Sie, was die Krankheit für den Betroffenen bedeutet? Kann der bisherige Beruf weiter ausgeübt werden? Droht Pflegebedürftigkeit? Und nicht zuletzt, wie wird man mit der Diagnose einer chronischen, d.h. in letzter Konsequenz nicht heilbaren Krankheit fertig.
Alle diese Fragen und Herausforderungen stellen die Betroffenen vor neue Aufgaben. Ein wichtiger Schritt ist der, sich mit der Krankheit, ihren möglichen Folgen und therapeutischen Möglichkeiten selber auseinanderzusetzen. Je besser man als Betroffener informiert ist, umso mehr kann man selber zum Erfolg der Therapie beitragen. Vieles, was auf den ersten Blick vielleicht bedrohlich oder unbeherrschbar erscheint (z.B. Medikamente), wird dadurch klarer und faßbarer. Ärzte reden in diesem Zusammenhang auch von "Self-Management". Das heisst, als Betroffener soll man seine Erkrankung auch selber "managen" und beherrschen, sie dadurch auch besser bewältigen. Man gewinnt dadurch auch wieder ein Stück Freiheit zurück, der Arzt ist in diesem Vorgang Partner. Möglichkeiten zur Information gibt es verschiedene: Bücher, Internet, Selbsthilfegruppen. Selbsthilfegruppen (Deutsche Rheuma-Liga) bieten darüber hinaus den Vorteil, dass man auf Menschen trifft, die die Erkrankung aus eigener Erfahrung kennen, mit denen man sich austauschen kann. Sie bieten auch die Chance, Einsamkeit und Isolation vorzubeugen.
Wer unter Schmerzen leidet, sich vielleicht nicht mehr so frei bewegen kann wie früher, der leidet auch seelisch. Umgekehrt können ungelöste seelische Probleme ein Hindernis sein, um mit der Krankheit und möglichen Schmerzen umzugehen. Eine grosse Hilfe kann hier in der Rheuma-Therapie die psychologische Beratung geben. Sie gibt Hilfestellungen sowohl bei der Krankheitsbewältigung als auch bei der Schmerzbehandlung (z.B. durch Entspannungsübungen). Psychologische Beratung hilft auch dort, wo es durch die Erkrankung zu Konflikten in der Familie oder unter Freunden kommt.
Für betroffene Patienten stellt sich häufig auch die Frage nach sozialen Folgen der Erkrankung. Dies betrifft eine möglicherweise notwendige Umschulung im Beruf, Fragen zu langdauernder Arbeitsunfähigkeit durch Krankheit, Erwerbsunfähigkeit oder bei älteren Menschen Hilfen zur Pflege. Zu einer rheumatologischen Behandlung gehört daher meist auch eine Beratung durch einen Sozialarbeiter(in).
Viele Menschen, bei denen erstmals die Diagnose einer chronischen Polyarthritis gestellt wird, fürchten, dass die Krankheit sie über kurz oder lang pflegebedürftig macht. Glücklicherweise verläuft die Erkrankung in vielen Fällen so gutartig, dass dies überhaupt nicht zu erwarten ist. Bei den heutigen therapeutischen Möglichkeiten ist eine Pflegebedürftigkeit infolge chronischer Polyarthritis eine Seltenheit. Häufig genug liegt der Grund für eine solche Entwicklung dann auch darin, dass die Erkrankung nicht konsequent behandelt wurde.
Die überwiegende Mehrheit der an chronischer Polyarthritis leidenden Menschen wird durch die Erkrankung sicher nicht pflegebedürftig. Man kann aber nicht ausschliessen, dass es durch Gelenkentzündungen zu einer bleibenden Funktionsminderung einzelner Gelenke oder zu einem vorzeitigen Gelenkverschleiss kommt. In solchen Fällen kann die Funktion betroffener Gelenke oft aber durch chirurgische Eingriffe (z.B. künstliche Gelenke) wieder hergestellt oder wenigstens doch deutlich gebessert werden.
Die Diagnose einer chronischen Polyarthritis wird häufig bereits vom Hausarzt gestellt oder zumindest vermutet. Häufig ist dazu aber auch die Hilfe eines Rheumatologen (internistischer Rheumatologe) erforderlich. Diese legt dann auch fest, wie die Behandlung der Erkrankung aussehen soll. Notwendige routinemäßige Kontrolluntersuchungen werden dann meist vom Hausarzt durchgeführt, bei besonderen Fragestellungen auch wieder beim Rheumatologen. Für die Diagnose einer rheumatischen Erkrankung ebenso wie für die Kontrolluntersuchungen ist der Arzt wesentlich auch auf die Schilderung des Patienten angewiesen. Erst aufgrund dieser Angaben und der körperlichen Untersuchung kann er entscheiden, ob weitere Untersuchungen (z.B. Blutuntersuchungen oder Röntgen) erforderlich ist.
Oft sind es erst die genauen Angaben des Patienten, die dem Rheumatologen eine richtige Diagnose erlauben. Dazu gehört insbesondere die Frage, welche Gelenke schmerzen, welche Gelenke geschwollen sind und ob eine morgendliche Steifigkeit von Gelenken besteht (Dauer?). Diese Angaben ermöglichen oft bereits auch eine Aussage zum Ausmass der rheumatischen Entzündung ("Krankheitsaktivität"). Wichtig ist oft auch, inwieweit Schmerz und Schwellung bereits zu einer Funktionsstörung betroffener Gelenke geführt haben und inwieweit sich diese auf Aktivitäten des Alltags auswirken (z.B. Probleme bei körperlichen Arbeiten, beim An- und Auskleiden, bei der Körperpflege). Die Frage nach der sozialen Situation (Familie, Beruf etc.) ist Voraussetzung für eine Einschätzung des weiteren Beratungsbedarfes (z.B. berufliche Beratung, Rentenberatung, Rehabilitation). Zur Erfassung der Beschwerden können zusätzlich zum Arztgespräch auch spezielle Fragebögen eingesetzt werden.
Bei Patienten, die bereits wegen einer rheumatischen Erkrankung behandelt werden, dient das Gespräch mit dem Rheumatologen natürlich auch der Therapiekontrolle. Ist eine Besserung eingetreten? Wurden Nebenwirkungen beobachtet?
Die Kenntnis anderer Krankheiten des Patienten ist aus verschiedenen Gründen wichtig. So können Zusammenhänge zwischen diesen Krankheiten und einer rheumatischen Erkrankung bestehen (z.B. Schuppenflechte, chronische Darmentzündungen, Augenentzündungen). Auch bei der Auswahl von Medikamenten müssen oft bestehenden Krankheiten berücksichtigt werden (z.B. vorbestehende Erkrankungen von Leber und Niere. Aus diesem Grunde ist es auch wichtig, dass der Rheumatologe weiss, welche anderen Medikamente regelmäßig eingenommen werden. Schliesslich kann er bei Kenntnis vorbestehender Krankheiten entsprechende Symptome besser einordnen (z.B. Brustschmerzen bei bekannter Durchblutungsstörung der Herzkranzgefäße).
Bei der körperlichen Untersuchung untersucht der Rheumatologe, welche Gelenke geschwollen sind und ob sie auf Druck mit Schmerz reagieren. Dies hilft ihm, die Aktivität der Polyarthritis einzuschätzen. Im Vergleich zu anderen Untersuchungen kann er so auch beurteilen, ob eine Änderung eingetreten ist. Darüberhinaus prüft er auch, ob Gelenke in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt oder durch Entzündungen geschädigt sind. Aufgrund dieser Untersuchungen kann über die Notwendigkeit einer krankengymnastischen oder physikalischen Therapie (Anwendungen) entschieden werden. Schliesslich wird damit auch beurteilt, ob möglicherweise operative Eingriffe an Gelenken notwendig sind.
Zusätzlich zu der Untersuchung der Gelenke erfolgt oft auch eine allgemeine körperliche Untersuchung (Lunge, Herz, Bauch). Dadurch können erste Hinweise auf andere, bisher nicht bekannte innere Erkrankungen gewonnen werden. Ausserdem lassen sich so z.B. auch Nebenwirkungen von Medikamenten feststellen (z.B. Hautausschlag).
Laboruntersuchungen unterstützen den Rheumatologen bei der Diagnose einer chronischen Polyarthritis und bei der Kontrolle der Therapie. Von Bedeutung sind insbesondere folgende Untersuchungen:
Röntgenbilder der betroffenen Gelenke zeigen, ob die rheumatische Entzündung bereits zu einer Zerstörung von Knochen geführt hat und wie ausgeprägt diese Folgen sind. Sie zeigen auch, ob andere Ursachen für Gelenkschmerzen vorliegen (z.B. Gelenkverschleiß - Arthrose). Vergleicht man im Abstand von 1-2 Jahren angefertigte Röntgenbilder, dann erhält man auch Aufschlüsse über ein mögliches Fortschreiten von Gelenkschäden. Dies gibt auch Hinweise auf die Wirksamkeit der Therapie. Schließlich benötigt man Röntgenaufnahmen auch, wenn sich die Frage eines operativen Eingriffes an Gelenken stellt.
Mittels Sonografie können Gelenkschwellungen und Flüssigkeitsansammlungen in Gelenken (Gelenkerguß) gut dargestellt werden. Sie hilft auch bei der Entscheidung, ob Gelenkpunktionen notwendig sind.
Die Gelenkszintigrafie ist ein spezielle Untersuchung. Dabei wird ein schwach radioaktiver Stoff gespritzt, der sich im Knochen verteilt. Dort wo Gelenkentzündungen vorliegen, sammelt sich dieser Stoff vermehrt an. Macht man anschließend eine Aufnahme des Körpers mit einer strahlenempfindlichen Kamera, dann sieht man das Skelett gleich einem Schattenbild. Gelenkentzündungen bilden sich auf diesem Bild dann verstärkt (je nach Aufnahmetechnik dunkler oder heller oder in einer anderen Farbe) dar. Die Gelenkszintigrafie gibt somit einen Hinweis darauf, ob Gelenkentzündungen vorliegen und wenn ja, wo. Man setzt diese Untersuchung bevorzugt dann ein, wenn keine eindeutigen Gelenkschwellungen nachweisbar sind, man aber aufgrund er typischen Beschwerden (Gelenkschmerzen, Gelenksteife) eine Polyarthritis vermutet.
Neben diesen Untersuchungen werden bei speziellen Fragestellungen auch andere diagnostische Verfahren (z.B. Computertomografie, Kernspintomografie) eingesetzt. Die individuelle Auswahl von Untersuchungsverfahren und die Aufklärung darüber liegt in jedem Fall in der Verantwortung der behandelnden Ärzte.
Neben Gelenkschmerz, Gelenkschwellungen und eingeschränkter Beweglichkeit betroffener Gelenke betrifft die chronische Polyarthritis auch verschiedenst Aspekte der Lebensführung. Entsprechend kann sich die Behandlung nicht nur auf Medikamente beschränken, sondern schliesst oft auch andere Bereiche ein, z.B. Krankengymnastik, Operationen, Psychologie oder soziale Beratung.
Medikamente werden für verschiedene Zwecke gegeben:
Falls durch Antirheumatika alleine eine ausreichende Schmerzstillung nicht möglich ist, kann man diese mit sogenannten zentral wirksamen Schmerzmitteln (zentral wirksame Analgetika) kombinieren. Diese Medikamente bekämpfen den Schmerz nicht an der Stelle seiner Entstehung (=entzündetes Gelenk), sondern dort wo er empfunden wird, nämlich im Gehirn. Eine relativ häufige Nebenwirkung dieser Medikamente ist ein Einschränkung der Reaktionsfähigkeit und Konzentration. Die Gefahr einer Abhängigkeit - wie oft gemeint - ist bei diesen Medikamenten trotz ihrer chemischen Verwandtschaft zum Morphium sehr gering.
Wegen der möglichen Nebenwirkungen haben viele Betroffene große Angst vor einer Cortisontherapie. Tatsächlich muss man dieses Risiko immer gegen den möglichen Nutzen abwägen. Das Medikament kann für den Einzelnen ein Segen sein. Es darf aber sicher nicht kritiklos und sorglos eingesetzt werden.
Cortison wird bei der Behandlung der chronischen Polyarthritis häufig mit einer Basistherapie kombiniert. So kann man mit Cortison die Zeit überbrücken, die bis zum Einsetzen der Wirkung eines Basismedikamentes vergeht (bis zu 3 Monaten). Andererseits setzt man Basistherapeutika auch ein, um mit möglichst wenig oder gar keinem Cortison auskommen zu müssen.
Ein wichtiges Prinzip bei der Cortisontherapie ist auch, dass man das Medikament nicht plötzlich absetzt, sondern langsam "ausschleicht". D.h. man reduziert schrittweise die Dosis, weil sonst leicht ein neuer Krankheitschub ausgelöst wird.
Gelenkentzündungen führen meist neben Schmerz und Schwellung zu einer Funktionseinschränkung der betroffenen Gelenke. Oft gehen damit auch Störungen der Muskelkraft und Gelenkkapselschrumpfungen einher. Die Krankengymnastik begegnet diese Störungen auf verschiedene Weise:
Krankengymnasten bedienen sich dazu verschiedener, z.T. sehr spezialisierter Techniken wie z.B. manuelle Therapie, PNF (propriozeptive neuromuskuläre Faszilation), kraniosakrale Therapie. Ein wichtiges Ziel der Krankengymnastik ist oft auch, den Patienten anzuleiten, welche Übungen er selber zu Hause durchführen kann.
Anwendungen (physikalische Therapie) unterstützen die Arbeit des Krankengymnasten und bereiten diese oft vor. Sie dienen verschiedenen Zwecken:
Zum Einsatz kommen verschiedene Techniken. Diese kann man zwei großen Gruppen zuordnen:
Ergotherapie heisst in der wörtlichen Übersetzung "Arbeits-" oder "Beschäftigungs" - Therapie".Dem Selbstverständnis der Ergotherapie entspricht es aber eher, wenn man von einer Therapie mit dem Ziel einer Erhaltung der körperlichen Selbstständigkeit spricht. Die Ergotherapie bedient sich dazu zahlreicher Werkzeuge:
Wenn einzelne Gelenke besonders geschwollen sind oder ein Gelenkerguß besteht, dann kann man im Einzelfall zusätzlich zur Behandlung der Entzündung mit entzündungshemmenden Medikamenten eine Gelenkpunktion durchführen. Dabei wird bei einem Gelenkerguß Gelenkflüssigkeit abgezogen, die weiter untersucht werden kann. Zur Behandlung injiziert man dann in das Gelenk häufig Cortison. Der Vorteil dieses Verfahrens ist, dass man am entzündeten Gelenk die entzündungshemmende Wirkung von Cortison nutzt, ohne dass Cortison in größeren Mengen in den Körper gelangt. Bei dieser Methode sind deshalb Nebenwirkungen des Cortisons kaum zu fürchten. Man muss allerdings bedenken, dass es bei einer Gelenkpunktion selten zu einer Einschleppung von Bakterien in das Gelenk kommen kann, die dort zu einer bakteriellen Entzündung führen. Bei entsprechender Vorsicht (Desinfektion der Haut, steriles Arbeiten) ist dieses Risiko allerdings sehr gering. Dennoch empfiehlt man, ein Gelenk nicht mehr wie 3 mal im Jahr zu punktieren.
Ausser Cortison kann man in entzündete Gelenke auch radioaktive Substanzen spritzen (sog. "Radio-Synoviorthese"). Diese führen zu einer Verödung der entzündeten Gelenkinnenhaut und unterdrücken damit im betreffenden Gelenk ebenfalls die Entzündung. Die Strahlenbelastung bei diesem Eingriff ist sehr gering. Vorteilhaft ist, dass man durch die Radiosynoviorthese oft länger dauernde Erfolge als bei einer Cortisoninjektion hat.
Man eine chronische Polyarthritis nicht "wegoperieren". Dennoch können operative Gelenkeingriffe in bestimmten Situationen hilfreich sein:
Auf die Operation von Gelenken bei chronischer Polyarthritis sind sowohl Chirurgen (Handchirurgen) als auch Orthopäden (Rheuma-Orthopäden) spezialisiert.
Die Psychologie dient dem an Polyarthritis Erkrankten auf zweierlei Weise. Sie gibt im Hilfe bei der Bewältigung von Schmerzen und seiner Erkrankung. Andererseits berät sie, wenn es infolge der Erkrankung zu persönlichen oder familiären Konflikten kommt.
Sozialarbeiter beraten zu sozialen Fragen, z.B.:
| Die Erkenntnisse der Medizin unterliegen einem ständigen Wandel durch Forschung und klinische Erfahrung. Bei der Erstellung dieser Information wurde große Sorgfalt darauf verwendet, dass die gemachten Aussagen dem derzeitigen Wissensstand entsprechen. Sie sollen das Verständnis für rheumatische Erkrankungen erleichtern, können eine Aufklärung durch den Arzt aber nicht ersetzen. |